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Schriftenreihe

JOHANN  ELIAS  RIDINGER

Ulm 1698 – Augsburg 1767

 

Literatur  +  Erlebnisse

1723 – 2017

Der 25jährige Ridinger – merkenswert gleichen Alters also, in dem einst Thomas Mann mit den „Buddenbrooks“ „seinen Weltruhm begründen“ (Lennartz) wird, die Heinz Berggruen noch hundert Jahre später nach der Herkunft der Lebensweisheit und Reife hierfür fragen läßt, in dem Gottfried Benn mit „Unter der Großhirnrinde“ seinen ersten Prosatext veröffentlicht, den er später „gewissermaßen als Steinbruch benutzt“ (FAZ 24. 8. 2001 bzw. 22. 8. 2003) – begründet mit nicht im Stich veröffentlichter Zeichnung Alexander der Große im Herbst 326 v. Chr. am Hyphasis im Pandschab die  Wandlung  des  Historienbildes  von  der  Darstellung  heldenhafter  Taten  zur  Reflexion  über  dieselben – wofür bislang Jacques Louis David und die Zeit um erst 1800 stehen – , aufgreifend und psychologisch bravourös bewältigend einen Wendepunkt der Weltgeschichte als zugleich unerhört zivilisatorischem Moment schlechthin. Und wird aus diesem Startloch heraus, auch hier geradezu steinbruchartig, in Gemeinschaft mit dem die Texte beisteuernden Barthold Heinrich Brockes (gest. 1747) mit der seit den 1730ern geschaffenen, doch erst 1760 herausgegebenen Folge der Kämpfe reißender Thiere (Th. 716-723) das Verdikt nicht allein über den Alexanderzug, vielmehr den Machtanspruch des Absolutismus, dessen Vertreter ihm zu Füßen liegen, als Ganzem folgen lassen.

Ridinger druckt um 1725 mit einer Hirschhatz (Schwerdt III, Tafel 214; erlebnis ridinger, S. 5; jeweils farbig) das lt. Wend[1] „vermutlich  früheste  deutsche  Schabkunstblatt  in  Farben“ und zwar in zeitlich denkbar größter Nähe zu dessen eigentlicher, weil nunmehr von mehreren Platten druckenden Erfindung seitens Jakob Christoffel Le Blon(d)’s, die erst um 1720 in London befriedigende Ergebnisse erzielte.

Ridinger veröffentlicht 1729 in seit kurzem nunmehr eigener Verlagsregie seine 36blätterigen „Vollkommene und gründliche Vorstellungen der vortrefflichen Fürsten=Lust Oder der Edlen Jagdbarkeit“ als paukenschlagartigen Auftakt einer Reihe lehrbuchartiger Jagdfolgen.

Ridinger beginnt spätestens 1735 sein Monumentalwerk der Wundersamsten Hirschen, siehe per 1768.

Ridinger ist Mitherausgeber, Mitverleger und Mitstecher von Weinmann’s von 1735-1745 erschienenen 1025blätterigen Folianten „Phytanthoza Iconographia … Oder eigentliche Vorstellung etlicher Tausend so wohl einheimisch- als ausländischer … gesammleter Pflanzen, Bäume, Stauden, Blumen, Früchte und Schwämme“ als umfangmäßig „allein schon einer Seltenheit in der botanischen Literatur … (vor allem aber)  erster  botanischer  Verwendung  des  später  sogenannten  englischen  Farbdrucks, und, was Deutschland anbelangt, auch fast alleinige(m) … Zu rühmen ist … besonders die reichhaltige Palette der gedruckten sowie der von Hand aufgetragenen Farben, die auch in der Blütezeit des botanischen Farbdruckes selten wieder erreicht und (erst weit später) nur in einigen Drucken Turpins (1775-1840) übertroffen worden ist“ (Nissen). – „The book may be called the first successfull botanical book using color-printed mezzotint“ (Hunt).

Ridinger veröffentlicht von 1738-1755 mit seinem 126blätterigen Entwurf(f) einiger Thiere, Wie solche nach ihren unterschiedenen Arten, Actionen und Leidenschaften, nach dem Leben gezeichnet, samt beygefügten Anmerkungen sein naturkundlich „gemeinnützigstes“ (Th.) Großwerk.

Ridinger begrüßt 1744 mittels zweier Kupfer  als  Dokumente  eines  Augenblicks  deutscher  Geschichte  des Wittelsbacher Kurfürsten Karl Alberts Rückkehr nach München als deutscher Kaiser Karl VII., dem Goethe’s Vater seinen „Kaiserlichen Rath“ verdankte.

Ridinger veröffentlicht 1744 die 16blätterige Grundfolge seiner „Lehrreiche(n) Fabeln aus dem Reiche der Thiere zur Verbesserung der Sitten  und  zumal  zum  Unterrichte  der  Jugend“, mit denen er „ein typisches Ziel seiner Epoche (verfolgte). Eine ‚Verbesserung der Sitten‘ durch die moralische Wirksamkeit der Kunst hatte – freilich auf ganz andere Weise – der mit Ridinger fast gleichalte William  Hogarth in seinen Gemälden und graphischen Blättern versucht … Doch während Hogarth und Chodowiecki durch satirische Bildfolgen, wie ‚Das Leben eines Lüstlings‘, 1735 … ihren (gleichen) Vorstellungen Geltung zu verschaffen suchte, knüpfte Ridinger an die – ihm besonders gemäße (nämlich, so er selbst, ‚von den eisgrauen Zeiten des Alterthums an‘) – Tradition der Tierfabel an“ (Morét[2]). Mit denen er darüberhinaus zugleich aber auch,  einen  neuen  Bildtypus  kreierend , einmal mehr Tradition und Feld hinter sich ließ. Denn „Keine  Ähnlichkeiten  mit  bisher  bekannten  Fabelillustrationen“ (Bodemann[3]).

Ridinger liefert 1746 „ein paar quader“ Öle an den Zarenhof.

Der 50jährige Ridinger kann es sich leisten, darüber nachzudenken, ob er angesichts seines zeichnerischen und graphischen Ausgelastetseins einen Folgeauftrag Zarin Elisabeth Petrowna’s, Tochter Peter’s des Großen, nach weiteren Ölen annehmen solle, meint aber, so mit Brief an Wille[4] in Paris vom 29. 6. 1748, „das ich mich (angesichts des Vorauftrages) nicht entziehen kunte es zu acceptiren (und hofft,) bis ende otobris mit disen 4 Stücken fertig zu werden“.

Ridinger’s Ältester, Martin Elias, begrüßt analog zu des Vaters 1744er kaiserlichem Willkommen 1763 mittels nach väterlicher Vorlage geschaffenem Hubertusburger Dachsen die dortige Beendigung des 7jährigen Krieges als einer globalen Auseinandersetzung neuzeitlicher Dimension und Etablierung Preußens als europäischer Macht. Der Dachs war, beziehungsreich, 1724 als dem Jahr der Vollendung Schloß Hubertusburg’s dortselbst ausgegraben worden.

Ridinger’s Söhne schließen 1768 mittels Titelkupfer die seit spätestens 1735 gewachsene monumentale väterliche Folge der „Vorstellung der wundersamsten Hirschen sowohl als anderer besonderl. Thiere … auf hohen Auftrag u: zum Vergnügen aller Freunde … der in der Natur sich zeigenden Seltenheiten“ ab, mit deren 100 Kupfern der Meister  geistig  und  zeichnerisch  ein  neues  Kapitel  der  Tierschilderung  aufschlug. Das in dieser Fülle vollendet zu sehen seit dem Hubertusburger Dachsen, siehe per 1763, ein wesentliches Mitverdienst Martin Elias’ war.

Ridinger’s Söhne schließen 1768 mittels zweier Titelkupfer das noch vom Vater fertiggestellte Kolorierte Thier-Reich als  einem  der  schönsten  illuminierten  Tierbücher  aller Zeiten ab. Mit seinen 127 Blatt ist es zugleich die umfangreichste der Ridinger-Folgen.

Ridinger’s Söhne veröffentlichen 1770 die gleichfalls noch vom Vater gearbeitete 50blätterige Vorstellung der Pferde nach ihren Hauptfarben als  weiterem  Höhepunkt  illuminierter  naturkundlicher  Buchkunst.

Lord Ribblesdale erwirbt als Zeitgenosse ca. 900-Blatt-Folios in Russisch-Leder. – Siehe hierzu unten per 1951.

The Pembroke Library at Wilton House, gebildet während mehrerer Generationen großer Bibliophiler, erhält um 1770 46 (Teil-)Folgen mit 716 Blatt, erworben vermutlich 1768 in Paris wohl seitens Henry Herbert’s, 10. Earl of Pembroke, 7. of Montgomery (1734-1794) und für ihn zu 5 Folios im Hausstandard roten englischen Maroquins gebunden.

Ferdinand von Kobell, Malerkollege der nächsten Generation, beklagt 1771 als 31jähriger gegenüber Wille[5] in Paris die „Insecten der Kupferstecherey (im) armseligen Augspurg“ und „daß in einem solchen Orth ein Ridinger – und Rugendas gelebet haben (müssen)“.

Johann Caspar Füssli, Malerkollege und Künstlerbiograph der Ridinger-Generation, beklagt 1772 gegenüber Wille[6] in Paris „seiet dem ich Ridinger verlohren, finde ich keinen deutschen Freund (mehr) der sich um die Kunst bekümmert“.

Die Martin Engelbrecht’sche Kunst= und Verlagshandlung, „seit einigen Jahren in dem Besitze des Johann Elias Ridinger’schen Kunstverlags“, legt gemeinsam mit der Herzberg’schen Kunsthandlung, beide Augsburg, im August 1824 ein umfangreiches Subskriptions-Programm der Werke Ridinger’s auf, welch letzterer „noch immer im ruhmvollsten Gedächtnisse (der Künstlerwelt lebe)“. Als Folge der die vielfache Seltenheit Ridinger’scher Blätter belegenden früheren Kleinauflagen lieferten die Platten (solche nunmehr hier als unikate Sammlungsstücke am Lager) „ohne alle restaurierende Nachhülfe (dank) der jetzt vervollkommten Kupferdruckerei und deren zweckmäßigen Einrichtung) Abdrücke … welche … an Reinheit und Kraft ältere Abdrücke übertreffen, und … den Vorzug haben werden, ihre Farbe unverändert zu behalten“. Was letzteres hier aufliegende Beispiele bestätigen, ohne gleichwohl den zeitgenössischen Abdrucken ihren Rang streitig machen zu können.

J. A. C. Weigel in Leipzig erwirbt 1830 von den Ridinger-Erben den zeichnerischen Nachlaß des Meister’s. Dazu nach hiesigem Befund auch Arbeits-Exemplare graphischer Folgen.

Thienemann, Georg Aug(ust) Wilh(elm). Leben und Wirken des unvergleichlichen Thiermalers und Kupferstechers Johann Elias Ridinger. Leipzig 1856. – Œuvrekatalog der Graphik nebst Auflistung der importanten Weigel’schen Zeichnungssammlung. – Online-Ausgabe in Fortsetzung erscheinend, siehe unten.

Die jugendliche Photographie begeistert sich für Ridinger. Alfred Coppenrath in Regensburg gibt 1865 den Startschuß und läßt den Photographen Johann Laifle die 50 „schönsten und seltensten Hirsch- und Rehbock-Abnormitäten“ aus den Folgen der Wundersamsten und der Vorfallenheiten sowie die beiden Nahezu-Unikate Thienemann 1299 + 1325 aufnehmen. Die Konkurrenz zieht 1867 + 1873/75 mit Folgen zu 84 (recte nur 24?) bzw. 70 (recte nur 48?) Blatt nach. Allen drei Unternehmungen gemeinsam ihre grenzenlose Seltenheit.

Johann Elias Ridinger’s Kunstnachlass in Handzeichnungen in Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen … gegründet und hinterlassen von J. A. G. Weigel in Leipzig. Lpz. 1869.

Wawra in Wien versteigert 1890 „(E)ine schöne Sammlung von Handzeichnungen (234 Positionen in 146 Lots) und Kupferstichen Joh. Elias Ridinger’s aus dem Besitze eines bekannten Sammlers“.

Helbing in München veröffentlicht 1900 seinen Katalog XXXIV „Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger“ (1554 Nummern, darunter 10 Zeichnungen).

Ernst Welisch[7] qualifiziert 1901 Ridinger als unstreitig „bedeutendste(n) Augsburger Landschafter (seiner) Zeit … obzwar er hauptsächlich als Tiermaler bekannt ist“.

Baron von Gutmann in Wien erwirbt 1903 die reiche Ridinger-Sammlung Josef Horn.

Baron von Gutmann in Wien erwirbt 1905 aus englischer Sammlung deren ganz spektakulären Satz der sogenannten Marjoribanks Folios in ihren zeitgenössischen französischen Wappen-Maroquins. –

Schwarz, Ign(az). Katalog einer Ridinger-Sammlung. 2 Bde. 1910. – Der Katalog der berühmten Ridinger-Abteilung der Sammlungen Rudolf Ritter von Gutmann’s aus der österreichischen Rothschild-Linie. Gedruckt in 202 Exemplaren, davon zwei römisch numerierte auf pergamentartigem Papier mit den zahlreichen Illustrationen + 118 Tafeln in Montage und in erlesen-schönen Wappen-Pergament-Einbänden. – Der von 6 (!) Indices erschlossene Katalog ist die nobelste Verneigung der Literatur vor dem Œuvre Ridinger’s und die unverzichtbare Ergänzung zu Thienemann und per Bd. II über diesen hinaus.

Verfügbar  hier  des  Baron’s  eigene  No. I !

Franz Marc stellt 1913 seinen Holzschnitt „Reitszene nach Ridinger“ vor (Lankheit 839), für den ihm aus der 1722er „Neue Reit-Kunst“ als Ridinger’s frühester Schule der bereits aufsitzende Reiter des 3. Blattes, Thienemann 608, als Vorlage diente. Es ist das Jahr des „Turms der Blauen Pferde“ als einer der Ikonen der Moderne, „das reichste (Jahr) im Schaffen von Franz Marc“ (Christian von Holst). Und zusammen mit dem gleichzeitigen Holzschnitt „Löwenjagd nach Delacroix“ steht die Arbeit für jenen Zeitpunkt, von dem „wohl von einem buchstäblichen Einzug des Reiters in das Œuvre von Marc (zu) sprechen (ist) … Die … (von) Marc durch eine abstrahierende Einfühlung in das Pferd und die übrige Tierwelt (immer wieder angestrebte) Animalisierung der Kunst … kippt nun mehrfach um in die Wiederbelebung der Einheit von Ross und Reiter … Er selbst präsentierte sich in einer Postkarte an Else Lasker-Schüler 1912 als ‚Blauer Reiter‘, der neben beziehungsweise hinter seinem Pferd steht und farblich mit ihm zu einer Einheit verschmilzt (aus hiesiger Sicht ein Vorgriff auf die „kraftvoll rhythmisierte Darstellung“ der „Reitszene nach Ridinger“) … Der Hund unten rechts (auf letzterer), der den Betrachter eher an eine Jagdszene erinnern mag, verdankt sich … ebenfalls der ‚Reit-Kunst‘ Ridingers (vgl. entsprechende Hunde auf den Blättern 5, 18 und 22). Er blickt zurück, als wolle er schauen, wo sein Herr, der Reiter, bleibt. Eine spannungsvolle Aufbruchsstimmung prägt das Geschehen, das aus Ridingers Hintergrundfigur des Reiters den eigentlichen Protagonisten macht. Der Reiter und das Pferd bilden in ihrem extremen Bewegungsimpuls eine Einheit. Obgleich Marc mit Ridinger einen Spezialisten des dressierten Pferdes rezipiert, geht es ihm nicht um eine artifizielle Mensch-Tier-Symbiose, die sich besonders in der Schulung des Pferdes in den künstlichen Gangarten artikuliert“ (Andreas Schalhorn). Und „Aufschlussreich, dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger) des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet“ (von Holst[8]). Die Par force Szenerie auf dem ein Jahr später entstandenen Aquarell „Schloss Ried“ – Holst, Abb. 11 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung mit Ridinger.

Sotheby’s London versteigert 1951 (13. Februar) die legendären Ribblesdale Folios, siehe oben, als mit rund 900 Blatt möglicherweise umfangreichste in der kleinen Gruppe der hochkarätigen zeitgenössischen Sammelbände.

Karl & Faber in München versteigern 1958 die reiche Gräflich Faber-Castell’sche Ridinger-Sammlung, darunter der 95blätterige Zeichnungs-Corpus mit u. a. drei Rhinoceros-Arbeiten, deren eine nach dessen Auflösung bei Sotheby’s in London 1991 – siehe dort – von 2-3000 Pfd. auf 20000 Pfd. befördert wurde.

Stubbe, Wolf. Johann Elias Ridinger. 1966. – Bezüglich Ridinger’s eine der selteneren kunsthistorischen Stimmen (1933-1969 Hamburger Kunsthalle, „ein herausragender Graphikkenner. Unter seiner Leitung wuchs die graphische Sammlung … zu einer der substantiellsten und umfangreichsten unter den deutschen Museen … (sein) besonderes Interesse galt neben der Altmeistergraphik sowohl dem achtzehnten/neunzehnten als auch dem zwanzigsten Jahrhundert, wo seine unkonventionelle Sehweise dem Interessierten neues Terrain erschloß und 1963 zu der entscheidenden Publikation ‚Graphik des 20. Jahrhunderts‘ führte … “, Ernst Nolte gelegentlich der Teilauktion seiner Sammlung im Juni 2000, H+N 348, S. 6). Entsprechend hier denn ein wesentlicher Beitrag zur kunsthistorischen Erfassung von Ridinger’s Künstlerpersönlichkeit, untersucht an Hand der Jagd/Tiergraphik mit dem Ergebnis einer sowohl technischen Bravour als auch landschaftlich ganz bemerkenswerten Fortentwicklung, auf welch letztere Meriten als wohl erster schon Ernst Welisch aufmerksam gemacht hatte, siehe per 1901. – Horst Janssen’s radierter Gruß zu Stubbe’s 85ten „Backhuizen grüsst Stubbe / zum 7. 6. 1988 Liebster alter Freund Wolf Stubbe – ich habe heute so gar keine Lust auf A(ntonie). Waterloo (-) aber dies vo(n?) Herzen“.

Die Städtischen Kunstsammlungen Augsburg feiern „Johann Elias Ridinger 1698-1767“ mit einer von illustriertem Katalog (von Rolf Biedermann) begleiteten Gedenkausstellung 1967 im Holbein-Haus.

Die tschechoslowakische Post feiert Ridinger mit dem höchsten Wert (2.40 Kčs.) und einzigem in Farbe dazu der am 21. April 1969 herausgegebenen 5blätterigen Marken-Folge „Pferde“, zeigend die Titel-Radierung seiner berühmten Spanischen oder Wiener Reitschule Thienemann + Schwarz 628-645; fragen Sie nach Einzelblättern hieraus). – Die anderen Motive in der Reihenfolge ihrer Werte gewidmet Hendrik GoltziusMatthäus Merian – dem Landsmann Václav HollarAlbrecht Dürer. –

Sotheby’s Amsterdam versteigert 1976 Ridinger’s höchst spektakuläres Selbstportrait mit Tod aus dem Jahre seines Ablebens, erwähnt von Thienemann, S. XXI, Nr. 4, als in der Weigel-Sammlung befindlich, dort indes bereits fehlend im oben geführten 1869er Katalog der hinterlassenen Zeichnungen. – Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, I.5 mit Farbabbildung 9 + S/W-Abb. Seite 61 als Leihgabe des Berliner Kupferstich-Kabinetts als nunmehrigem Standort. – Detail des Bildes aufscheinend auch im Film zum Basler Totentanz von Herwig Zens.

Michael Bauer[9] resümiert 1983, mit Ridinger und Nilson (letzterer ganz gegenteilig von Kobell, siehe per 1771, ausdrücklich mitsamt der Meute abqualifiziert) seien in Augsburg „im letzten Drittel des (18.) Jahrhunderts  die beiden bedeutenden Kupferstecher der Stadt gestorben, ohne auch nur annähernd würdige Nachfolger zu hinterlassen“.

Rolf Biedermann[10] qualifiziert 1987 Ridinger als „eine(n) der wenigen deutschen Barockkünstler … der seit seinem Tod … nie in Vergessenheit geriet, dessen Tier- und Jagdschilderungen von Sammlern bis heute heiß begehrt, von Händlern hoch gehandelt werden, so (daß) die geringe Beachtung (überrascht), die ihm die Kunstwissenschaft bislang entgegengebracht hat“.

Sotheby’s London katapultiert in 1991er Auktion die Vorzeichnung zum Rhinoceros Thienemann 295 von 2-3000 Pfd. auf 20000 Pfd. – Siehe hierzu oben per 1958. – Heute in der Ratjen Foundation Vaduz.

Niemeyer, L. H. Der unbekannte Ridinger – Aspekte zum Maler, Zeichner und Graphiker. München, WELTKUNST, LXIV, 20, SS. 2687 ff.

Teylers Museum Haarlem eröffnet am 8. Juni 1997 im Aquarellenzaal seine Ausstellung „Duitse Grafiek 1500-1850“ mit biblischen und mythologischen Themen, Landschaften, Tierdarstellungen und Portraits. Mit Dürer als Mittelpunkt, dessen Hl. Eustachius/Hubertus den Blickfang bildet, werden im Internet eigens nur noch die Werkgruppen Hollar’s + Ridinger’s herausgehoben.

Veit, Manfred. Johann Elias Ridinger und die Grünau bei Neuburg a. d. Donau. – Veröffentlicht in Bd. CVI (1997) der Publikationen des Neuburger Geschichtsvereins.

Das Nationalmuseum in Kielce startet am Vorabend des 300. Geburtstages seine 1997/98er große Ridinger-Wander-Ausstellung durch Polen als „die im polnischen Museumswesen größte Ausstellung der Kupferstiche und Schabkunstblätter eines der hervorragendsten deutschen Graphik-Künstler aus XVIII Jh. … Dieser Künstler wurde in der Vergangenheit einigermaßen verkannt, aber  sein  Rang  in  der  Kunstgeschichte  wird  mit  der  Zeit  immer  höher“ (Alojzy Oborny, Direktor des Nationalmuseums in Kielce, im noch lieferbaren noblen polnisch-dt. Katalog; 4°, 88 SS., 72 Abbildungen, davon 35 blattgroß, illustr. OKart.). – Mitfinanziert seitens des Bundesministeriums des Innern der Bundesrepublik Deutschland und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warschau.

Die Technische Universität Dresden eröffnet ihre Langzeit-Sonderausstellung „Johann Elias Ridinger“ auf der Grillenburg am 16. Februar 1998 als dem 300. Geburtstag.

Die Ridinger Handlung Niemeyer gratuliert „Dem über die Jahrhunderte hinweg triumphierenden Meister und seinen Freunden zum 300. Geburtstag“ mittels Katalog „erlebnis ridinger 1698-1998“ als Heft 20 der „schriften der ridinger handlung niemeyer“. Gedruckt von der zu bester Ridinger-Zeit (1740) gegründeten Christians Druckerei Hamburg und damit zugleich just in der Heimatstadt des berühmten Freundes und Mitarbeiters des Meister’s, Barthold Heinrich Brockes (Dichter, Jurist und Senator, 1680-1747) in 1984 arabisch numerierten Exemplaren + 16 vom ridinger händler niemeyer signierten unnumerierten Vorzugs-Explren. als erlebnis-irisierend geprägtem weißen Sahel-Ziegenldr.-Bd. in adäquatem Halbldr.-Schmuck-Schuber mit originalem Ridinger-Hirsch/Pferd in Grünprägung auf den Deckeln. – Leseprobe + Inhalt. – Qualifiziert seitens  der  Deutschen  Bibliothek  als  Jubiläumsschrift  und  als  solche  in  die  Deutsche  Nationalbibliographie  aufgenommen .

Das bayerische Fernsehen gratuliert „Johann Elias Ridinger“ am 21. Februar 1998 zum 300. Geburtstag.

Lochmann, Klaus. Die Tierwelt und jagdliche Motive faszinierten ihn. Sonderausstellung zum 300. Geburtstag des Malers, Zeichners und Kupferstechers Johann Elias Ridinger in Grillenburg. Publiziert in Universitätsjournal – Die Zeitung der Technischen Universität Dresden, 4/98.

Die Technische Universität Dresden feiert Johann Elias Ridinger per Festakt am 27. April 1998 auf der Grillenburg mit u. a. kunst- und jagdhistorischen Beiträgen von Klaus Lochmann (300 Jahre Johann Elias Ridinger – Historie und Aktualität seines jagdkünstlerischen Schaffens) + L. H. Niemeyer (Der verharmloste Ridinger, siehe unten).

Das Museum Höxter-Corvey übernimmt im Mai 1999 die 1997/98er Ridinger-Wanderausstellung aus Polen als Fünf-Monats-Schau.

Das Museum Jagdschloss Kranichstein eröffnet am 28. Mai 1999 seine 2monatige Sonderausstellung „Die Tierdarstellungen von Johann Elias Ridinger“ – Der von der Hessischen Kulturstiftung geförderte kunst- und jagdhistorisch instruktive Katalog von Stefan Morét + Arnulf Rosenstock erschien als noch lieferbarer Bd. 2 der Museums-Schriftenreihe (Kl.-4°, 140 SS., 160 Abbildungen, davon 9 in Farbe + 2 dblgroß., illustr. OKart.).

Siebert, Gisela + Wolfgang Weitz. Ridinger – Bilder zur Jagd in Hessen-Darmstadt. Noch lieferbarer Katalog zur Ausstellung im Museum im Vorwerk in Ulrichstein, Okt./Nov. 1999 (4°, 55 SS., 19 blattgr. Abbildungen, OKart.).

Niemeyer, L. H. Dresdner Rede – Der verharmloste Ridinger. Erweiterte u. überarb. Internet-Fassung per 17. Juli 2000 des auf dem Ridinger-Festakt der TU Dresden am 27. April 1998, siehe dort, gehaltenen Vortrags. – Hinsichtlich der in diesem enthaltenen Verweise auf William Hogarth ist der Titel von Bernd Krysmanski zur Aufnahme in die von ihm in Arbeit befindliche 2bändige internationale Hogarth-Bibliographie vorgesehen.

Die Ridinger Handlung Niemeyer startet Thienemann Online als fortsetzungsweise erarbeitete und die Nachträge einarbeitende Internet-Fassung des Werkverzeichnisses, siehe eingangs.

Niemeyer, L. H. Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger. Lichtbilder-Beitrag zur 6. Jahrestagung der Deutschland-Sektion der Europäischen Totentanz Vereinigung vom 28.-30. April 2000 in Bamberg als erweiterte u. überarb. Internet-Fassung. – Eine teilillustrierte Druck-Fassung erschien im 2. Jahrbuch der Gesellschaft, L’Art Macabre 2, hrsg. von Uli Wunderlich, Düsseldorf 2001, SS. 94-112. – Hinsichtlich der enthaltenen Verweise zu William Hogarth ist der Titel zur Aufnahme in Krysmanski’s englischsprachige Hogarth-Bibliographie, siehe oben, vorgesehen.

Das Emsland-Museum Sögel eröffnet am 28. Mai 2000 in Schloß Clemenswerth seine 3monatige Sonderausstellung „Wer hat das Thierreich so in seines Pinsels Macht? – Die Tierdarstellungen von Johann Elias Ridinger“ unter teilweiser Übernahme der gleichlautenden 1999er Ausstellung des Jagdschlosses Kranichstein.

Die Universität Lüttich startet am 2. Juni 2000 ihren Internet-Katalog „Le Site des Collections artistique de l’Université de Liège“ (Légataire Galerie Wittert, Lugt 205 + 1681a), darunter Ridinger (modifiziert per 17. Juli 2001).

Church’s & Co Footwear Ltd, Northampton, startet am 15. März 2001 in der FAZ ihre Anzeigenkampagne für junge Leute und frühes Mittelalter vor Ridinger’s „Passagieren an der Wand links“ (Thienemann 635) aus der 18blätt. Großen oder Wiener Reitschule von 1734 (fragen Sie nach Einzelblättern aus dieser).

Die Kunstsammlungen Augsburg präsentieren den jüngst angekauften 12er-Satz von Ridinger’s originalen Druck-Platten zur Paradies-Folge (fragen Sie nach zeitgenössischen Abdrucken von diesen) nebst zwei weiteren Ridingeriana innerhalb ihrer am 30. März 2001 eröffneten 3monatigen Sonderausstellung „KUNSTREICH – Erwerbungen 1990-2000“.

Niemeyer, L. H. Augsburg + Ridinger. Ansprache in den Kunstsammlungen Augsburg innerhalb einer am 10. Juli 2001 gehaltenen „Feierstunde für Johann Elias Ridinger“ mit bis zum 26. August 2001 sich anschließender Ridinger-Kabinettausstellung gelegentlich seiner Stiftung des Paars der originalen Druck-Platten zu Ridinger’s „Gestörten Enten“ Thienemann 389/90, deren Zeichnungen sich in den Sammlungen befinden (Augsburger Ausstellungskatalog Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, Nrn. 164 f. nebst Abbildungen).

Das Medizinhistorische Museum der Universität Zürich startet am 26. April 2002 seine bis zum 31. Oktober 2002 währende Jahresausstellung „Über dem Grabe geboren“ (frei nach Samuel Beckett, Warten auf Godot) – Kindsnöte in Medizin und Kunst, unter Einschluß seitens der ridinger handlung niemeyer zur Verfügung gestellter Ridinger’scher Schabkunst-Exponate aus der Werkgruppe der Heiligen und des Genre (fragen Sie nach hier in excellenten Qualitäten aufliegenden Beispielen hieraus). Innerhalb der Gruppe „Säuglingsernährung“ siehe die Großabbildung „Der vernachlässigte Haushalt“, Thienemann 1473, Seite 196 des gleichnamigen Begleitbandes von Christoph Mörgeli + Uli Wunderlich (Bern, Benteli, 2002, 4°, 259 SS. mit 366 meist farb., vielfach ganzseit. Abb., OPpbd., ISBN 3-7165-1277-X, Sfr. 68/EUR 45 / c. US$ 49).

Die Meininger Museen eröffnen am 19. Juni 2002 auf Schloß Elisabethenburg ihre 10wöchige Sonderausstellung „Johann Elias Ridinger – Der Fürsten Jagdlust“ als eine „repräsentativ angelegte Werkauswahl“ bis hin zu den „Darstellungen von Heiligen oder galanten Szenen“, womit „ein ziemlich intensives Schlaglicht auf einen Künstler gesetzt (wird), den  die  Forschung  nach  einer  langen  Phase  des  Vergessenseins  in  seiner  ganzen  Größe  erst  noch  wieder  entdecken  muss“.

Das Deutschordensmuseum Bad Mergentheim übernimmt per Vernissage am 22. Juli 2003 die bis zum 26. Oktober 2003 währende Ridinger-Wanderausstellung „Der Fürsten Jagdlust“ mit etwa 160 Exponaten.

2003 Münchener Magisterarbeit über Ridinger.

Niemeyer, L. H. Die fruchtbare Durchdringung – Watteau im Werke Ridinger’s.

„MILITARY HISTORY“, Leesburg/VA, veröffentlicht im Juni 2004 (XXI/2) innerhalb der Titelgeschichte „ALEXANDER THE GREAT – Lone Stand in India / Alexander’s Most Heroic Moment“ von Peter G. Tsouras Ridinger’s 1723er Alexander-Zeichnung (S. 30; siehe oben).

Indiana University Press publiziert 2005 „The Musical Topic“ von Raymond Monelle, University of Edinburgh, und belegt die Kunst, mit der einen Hand die „Trompe Dauphine“ oder „Cor Dampierre“ zu spielen und mit der anderen das Pferd zu kontrollieren an Hand der Ridinger-Radierung „Par force Jäger mit der Meute – Chasseur par force avec la meute“ (Th. 115) aus der Falconiers-Folge.

Baiersbronn Touristik zeigt in der 2006 eröffneten Dauerausstellung zur Geschichte Baiersbronns in der Glasmännlehütte auf dem Stöckerkopf in einer der 12 Schautafeln Ridinger’s „Der Wolf in der Grube zu fangen mit dem Schafe“ als Reproduktion der hiesigen malerischen Ursprungszeichnung zu Th. 41 zwecks Illustration einer ebensolchen einstigen Vorrichtung bei der benachbart gelegenen Wasenhütte.

Wild und Hund feiert den 310. Ridinger-Geburtstag mit 6seitigem Porträt der ridinger handlung niemeyer (2008, No. 23).

Zuletzt aktualisiert am 17. März 2017.

 

Fußnoten

[1] Johannes Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, Bd. I.1, 1975, Nr. 94. – Zurück
[2] Stefan Morét, Die Tierdarstellungen von Johann Elias Ridinger. Darmstadt, Stiftung Hessischer Jägerhof, 1999, S. 96. – Zurück
[3] Ulrike Bodemann in Metzner-Raabe, Illustr. Fabelbuch, 1998, Bd. II, 123.I. – Zurück
[4] Johann Georg Wille (1715-1808), Briefwechsel. Hrsg. v. Décultot, Espagne + Werner. 1999. SS. 76 ff. – Zurück
[5] a. a. O. S. 486. – Zurück
[6] a. a. O. S. 499. – Zurück
[7] Ernst Welisch, Beiträge zur Geschichte der Augsburger Maler im 18. Jahrhundert, 1901, SS. 91 ff. – Zurück
[8] Zitate aus Christian von Holst (Hrsg.), Franz Marc – Pferde. Katalog der 2000er Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart – Sonderausgabe 2003 – , SS. 122, 250 f. + 165 f. nebst Abbildungen 151 f., 208 + 9. – Zurück
[9] Michael Bauer, Christoph Weigel (1654-1725) Kupferstecher und Kunsthändler in Augsburg und Nürnberg – Separatdruck aus „Archiv für Geschichte des Buchwesens“, Bd. 23 – , 1983, Sp. 745. – Zurück
[10] Rolf Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, S. 338. – Zurück

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