Thienemann Online

Einleitung

Da wohl nichts sicherer und passender in die Werke eines Künstlers einleitet, als die Bekanntschaft mit seinen Schicksalen und Lebenserfahrungen, mit seiner Persönlichkeit; so erlaube ich mir vor Allem eine kurze Lebensbeschreibung unsers Meisters zu liefern und dann die von ihm vorhandenen Portraits, mit Einschluss unsers Titelstahlstichs, zu schildern.

Was nun die Quellen betrifft, aus denen ich Kenntniss vom Leben dieses Künstlers schöpfen konnte, so sind drei Lebensbeschreibungen der Art in meinen Händen: die eine im Manuscript, die andere in der N. B. d. schön. Wiss. Bd. 2, die dritte von seinen Söhnen dem Werke mit dem Titel: „Das in seiner grossen Mannigfaltigkeit und in seinen schönen Farben geschilderte Thierreich,“ vorgedruckt. Was zuerst das Manuscript betrifft, so ist es bei dem Ankauf der Originalzeichnungen Ridinger’s in den Besitz Hrn. Weigel’s gekommen. Es enthält zwei Bogen eng beschrieben, bis auf das letzte Blatt, auf dem nur eine kurze Anmerkung befindlich ist. Der Verfasser nennt sich einen Freund und Schüler Ridinger’s, seinen Namen verschweigt er. Noch bei Ridinger’s Leben, im Jahre 1764, 12. Novbr., hat er sie abgefasst und Ridinger, der ja erst 1767 starb, selbst übergeben. Dieser hat sie mit einigen Anmerkungen versehen, und also im Uebrigen als wahr und richtig bestätigt. Ich finde aber, dass es eine alte Abschrift, nicht das Original selbst ist, denn Ridinger’s am Ende befindlicher Brief an seinen Biographen ist von derselben Hand mit derselben Tinte geschrieben, so wie auch die später im Original hinzugefügte Nachricht von Ridinger’s Tode.

Die zweite Lebensbeschreibung Ridinger’s, welche sich in der N. B. befindet und mit K. unterschrieben ist, erschien 1766, also auch noch bei Ridinger’s Leben. Ohnstreitig hat ein Anderer obiges Manuscript besessen, zum Grunde gelegt, aber, nach seiner Art, in anderm Stil bearbeitet, welcher einen mit der Feder mehr bewanderten und in der Orthographie festeren Mann verräth.

Was nun die dritte oder zweite gedruckte Lebensbeschreibung unsers Künstlers betrifft, so ist sie von seinen beiden Söhnen nach seinem Tode besorgt. Sie erklären, dass sie ebenfalls sich genau nach obigem Manuscript gerichtet und also dasselbe für vollkommen richtig und vollständig gehalten haben.

Ich lasse also diese Lebensbeschreibung hier wieder abdrucken, da sie ohne Widerrede unter obigen dreien die beste ist, und werde sie nur mit den nöthigen Anmerkungen versehen.

„Es ist wohl nicht zu zweifeln, dass solche Männer wie der seel. Ridinger ware, wenn sie schon nicht mit hohen Ehrentiteln prangen und in derjenigen Republick, darinnen sie ihr Leben zugebracht haben, von einem Ehrenamte zu dem andern, so wie sie es verdienet hätten, befördert worden sind, dem ungeachtet werth sind, dass ihr Angedenken auf die Nachkommen gebracht und ihr Name, den sie schon durch ihre Werke unsterblich gemacht haben, als ein guter Geruch unter ihnen erhalten werde. Wir, die beyde hinterlassene Söhne desselben glauben also nicht, dass man uns deswegen tadeln werde, wenn wir diesem Werke auch eine kurze Nachricht von den Lebensumständen unsers seel. Vaters voran setzen, und dieses nicht nur, um ihm noch nach seinem Tode ein Denkmal unserer kindlichen Dankbarkeit und Liebe zu stiften, sondern auch um dadurch dem dringenden Verlangen vieler Freunde und Liebhaber der Kunst unsers seel. Vaters ein Genüge zu thun, welche schon öfters den Wunsch geäussert haben, dass ihnen die Lebensumstände des verstorbenen bekannter gemacht würden. Wir werden uns aber dabey nicht unsrer eignen Worte bedienen, sondern die ganze Lebensbeschreibung hier so abdrucken lassen, wie sie ein Freund von unserm seel. Vater noch bey seinem Leben abgefasset und aufgezeichnet hat, dem alle Umstände desselben so gut als uns selbst bekannt waren.

* * *

Die Reichsstadt Ulm ware der Ort, wo unser nun seliger Herr Johann Elias Ridinger das Licht der Welt im Jahr 1698. den 16. Febr. erblickte. Er genosse von seinen Eltern eine glückliche Erziehung und diese ware um so erwünschter, da sein gutes Herz und seine sanfte Gemüthsart, die ihn in seinem ganzen Leben nie verliesse, derselben gleichsam die Hände geboten. Sein seeliger Vater hatte neben seiner Schreiberey auch seine Geschicklichkeit gezeiget in Verfertigung artiger und künstlicher Figuren, welche sechs bis sieben Zoll hoch und wohl gezeichnet waren, und diese natürliche Geschicklichkeit des Vaters wurde gleichsam ein Erbtheil des Sohnes, der auch an diesen Figuren und Vorstellungen, so wie überhaupt an dem Zeichnen und Malen, schon in seiner zarten Jugend ein grosses Vergnügen fande. Er sollte zwar wegen seiner besondern Fähigkeit, die er gar frühzeitig an sich blicken liesse, dem Studieren gewidmet werden, und brachte es auch wirklich in Erlernung der lateinischen Sprache so weit, dass er solche fertig reden konnte, allein auf einmal änderte er diesen Entschluss und wünschte sein Glück in der Malerey zu suchen. Ob ihn nun gleich seine Freunde davon auf alle Art abzuhalten suchten, weil diese Kunst in Ulm wenig geachtet würde, so unterstützte ihn dennoch hierinnen sein Vater, der seinen natürlichen Trieb hiezu merkte und übergab ihn in seinem vierzehnten Jahre dem Unterrichte des Herrn Christoph Resch, eines damals in Ulm wohnenden rechtschaffenen Malers. Allein der lebhafte Geist des jungen Ridingers erhielte hier nicht, was er wünschte. Dann sein Lehrmeister hatte nicht immer gute Arbeiten zu verrichten, und musste sich dahero mit allerley für einen Künstler zu nidrigen Geschäften, z. E. mit Fassen, Anstreichen, auf Wachs malen u. d. m. abgeben, wodurch auch sein junger Lehrling, in ansehung der Kunst, sehr gehindert und verabsäumet wurde, da seine meiste Beschäftigungen in dem Reiben der Farben, Anstreichen u. s. w. bestunden. Doch was sein muntrer Geist auf dieser Seite verlohre, das wurde auf der andern Seite wieder ersetzet. Denn sein Lehrmeister hatte eine sehr gute Einsicht in den mathematischen Wissenschaften und brachte auch seinem Untergebenen gute und gründliche Begriffe bey, durch den Unterricht, den er ihm in der Geometrie, Architectur, Perspectivkunst und den andern dahin einschlagenden Wissenschaften ertheilte, wovon er den Nutzen erst bey reifern Jahren recht einsehen und schätzen lernte. Einstens erkaufte sein Lehrmeister die Sandratische academische Werke, welches er aber vor seiner Eheliebsten verborgen halten wollte, und verabredete dahero mit seinem Scholaren, dass er solche heimlich in das Haus bringen sollte, wogegen er ihm versprache, dass ihm erlaubt seyn sollte alle Morgen von fünf bis sieben Uhr, wiewohl heimlich und in einem verschlossenen Zimmer darinnen zu lesen. Dieses vortrefliche Buch entflammte seine vorher schon brennende Begierde noch mehr und zwar so, dass er mit grosser Betrübnis auf seine noch geringe Progressen, die er bisshero gemacht hatte, zurück sahe. Die Aussicht des Künftigen, und der Mangel der Gelegenheit, bey diesem seinem Lehrherrn weiter zu kommen, setzten ihn dahero auch in eine solche Verlegenheit, dass er einen halb verzweifelten Entschluss ergreiffen, seinen Herrn heimlich verlassen und nach Italien gehen wollte, um seiner heftigen Begierde, mehr zu erlernen, ein Genüge zu thun. Nichts als der Mangel des Geldes hinderte ihn an der Ausführung seines Entschlusses. Er suchte dahero diesem abzuhelfen, und weil sein Lehrherr ihm die von Zeit zu Zeit zugefallene Trinkgelder gesammelt und in eine Spahrbüchse verschlossen hatte, so hatte er schon Hammer und Werkzeug in seinen Händen, diese Büchse mit Gewalt zu eröfnen und zu erbrechen, als ihn plötzlich sein ehrliches und rechtschaffen denkendes Herz davon abhielte und ihm bessere Gedanken einflösste. Er hatte alle Jahre die Erlaubniss, einen Freund, der etliche Stunden weit von Ulm wohnete, zu besuchen; dieser Gelegenheit wollte er sich nun bedienen seinen erstberührten Vorsatz auszuführen, und glaubte dazu vermögend zu seyn, weil er kurz vorhero von jemanden einiges Geld, sich dafür Pinsel und Farben anzuschaffen, geschenkt erhalten hatte. Mit diesem wenigen Vorrathe glaubte er nun die Reise nach Italien unternehmen zu können, und begabe sich auch wirklich auf den Weg. Allein die Rechnung ware hier im eigentlichsten Verstande ohne den Wirth gemacht. Der Hunger nöthigte ihn in einer Herberge einzukehren, wo er sich eine Suppe geben liesse, zu welcher der Wirth ihm auch noch Fleisch vorsetzte und ihm dafür zwölf Kreutzer abforderte. Hierüber erschracke er freylich nicht wenig, weil er wohl einsahe, dass der geringe Ueberrest, den er noch hatte, ihm nicht erlauben würde viel weiter zu kommen. Allein es setzte noch zuvor einen gewaltigen Streit zwischen seiner brennenden Begierde nach Italien zu reisen und zwischen seiner Armuth und Dürftigkeit, ehe ihn die letztere nöthigen und bewegen konnte, seinen Weg wieder zurück nach Ulm zu nehmen, welches endlich doch, wiewohl mit der grössten Betrübniss, geschehen musste, und woselbst er kaum noch vor dem Thorschliessen anlangte. Die Erfahrung hatte ihn nun gelehret, dass es für ihn in seinen gegenwärtigen Umständen unmöglich wäre seinem Verlangen ein Genüge zu thun, daher machte er auch keine anderweitige Versuche von dieser Art, sondern hielte seine Lehrzeit geduldig aus. Als diese zu Ende gegangen und ihn sein Herr frey gesprochen hatte, dass er nun nach Gewohnheit einen Degen an der Seite tragen dürfte, so presste dieses dem nun absolvirten Maler die bittersten Thränen aus und er konnte sich nicht enthalten sich zu beklagen, dass er zwar nun frey gesprochen sey, aber dennoch nichts erlernet habe. Man kann sich leicht vorstellen, dass ein solcher Vorwurf seinem Lehr-Herrn nicht angenehm gewesen, der ihm dahero auch mit Verdruss seinen Abschied gabe und ihm sagte, dass er immer dahin gehen könnte, wo er mehr zu erlernen gedächte. Er verliesse also sein Vaterland und kame nach Augsburg, wo er anfänglich bey einem zünftigen Maler, nämlich bey Herrn Joh. Falch, der auf Hamiltonische Art Disteln, Schlangen, Insecten, Vögel u. s. w. malte, nachgehends aber bey einem andern, der bischöflicher Maler und Vergolder ware, in Arbeit trate. Allein er erhielte auch hier nicht, was er wünschte, ob er gleich noch zuweilen Gelegenheit hatte etwas schönes zu copieren und dabey zu lernen. Bey dem allen aber ware er nie müssig sondern suchte durch eigenen Fleiss und Nachdenken dasjenige zu ersetzen was ihm mangelte, dahero er auch schon hier nach seinem natürlichen Triebe, der dahin gienge Pferde und Thiere zu malen und zu zeichnen, viele artige Stücke verfertigte, die ihn bey dem damalen in Regensburg befindlichen Churfürstl. Brandenburgischen Comitial-Gesandten, dem Herrn Grafen von Metternich recommendirten, wozu auch die besondere Unterstützung und Empfehlung seines werthen und unvergesslichen Freundes des berühmten Portraitmalers Herrn Gabriel Spitzels, der den Herrn Grafen eben malte als seine eingesendeten Probstücke in Regensburg anlangten, vieles beytruge. Es wurde hierauf von dem Herrn Grafen verlangt, dass er zu ihm kommen sollte, und da er diesem Ruf ohne Anstand Folge geleistet hatte, so unterliesse er nicht sich der schönen Gelegenheit, die er daselbst hatte, eifrig zu bedienen um sein erwähltes Studium fortzusetzen. Er machte sich auch bey seinem dreyjährigen Aufenthalte daselbst die Reitschul und Jägerey so wohl zu Nutze, dass alle Kenner, als er nach dieser Zeit wieder zurück nach Augsburg kame, seine erlangte Geschicklichkeit und Stärke sowohl in Historischen- als Thierstücken bewunderten. Besonders zeigte er solche in zwey grossen Stücken, die er für den Herrn Joh. Daniel Herz, bey welchem er sich damahlen aufhielte, malte, wovon das eine einen Viehmarkt, das andere aber eine Pferdweide vorstellete. Bey dem allen aber ware er mit sich selbst noch nicht zufrieden, sondern suchte von dem damals lebenden berühmten Bataillen-Mahler Herrn Georg Philipp Rugendas noch mehr zu lernen und sich seines Unterrichtes zu bedienen. Nachdem er sich nun einige Jahre allhier mit den schönsten Arbeiten beschäftiget und darneben die Maler-Academie fleissig besuchet hatte, so zeigte ihm Gott die Gelegenheit zu einer glücklichen Verheyrathung indem er sich An. 1723. die Frau Wittwe des künstlichen aber sehr zeitlich verstorbenen Herrn Joh. Seiter Portrait- und Historienmalers nämlich die Frau Jacobina gebohrne Zurhelle zu seiner künftigen Ehegattin erwählte, welche ihm auch zwey Kinder von ihrem erstern Manne, nämlich einen Sohn und eine Tochter zubrachte, an welchen er auch alle Treue eines leiblichen Vaters erwiese. Wie dann auch ihre Erziehung so gesegnet ware, dass diese ihm zugebrachte Tochter nicht nur in allen schönen Tugenden erwachsen, sondern auch im Zeichnen eine grosse Geschicklichkeit erlanget hatte, auch nachhero zur Freude ihrer Eltern mit Herrn Georg Abraham Neuhofer berühmten Cotton Fabricanten glücklich verheyrathet wurde. Sein Stiefsohn Herr Joh. Gottfried Seiter erfuhre von ihm nicht weniger alle väterliche Treue und Liebe in seiner Erziehung sowohl als in seinem Unterrichte, so dass er als ein sehr geschickter Kupferstecher nach Italien reisete, besonders in Florenz vortrefliche Stücke verfertigte und nachdem er sich sowohl daselbst als in Rom und Venedig 14 Jahre aufgehalten, endlich wieder nach Augsburg zurück kame, wo er sich nun seit mehrern Jahren aufhält und etwas ganz besonders in der Kupferstecherskunst zeiget, besonders wenn er nach seinem eigenen Geschmacke arbeiten kann und darf. Um aber wieder auf unsern Herrn Ridinger zu kommen, so wurde nun freylich seine Reise nach Italien, die ihm, so lange er noch unverheyrathet ware, niemals aus dem Sinne gekommen, sowohl durch seine erfolgte Heyrath, als auch durch seine viele und überhäufte Beschäftigungen und Arbeiten im Malen und Zeichnen für die allhiesige Verleger, Goldschmiede und Kunstliebhaber unterbrochen: indessen ware er desto unermüdeter sowohl in der Kunst als in den schönen Wissenschaften immer weiter zu kommen und wenn der Tag zu kurz dazu ware, so musste solches die Nacht ersetzen. Er legte sich bald darauf auch auf das Radiren in Kupfer und brachte es darinnen so weit, dass nicht leicht jemand den Verstand und Willen seiner Erfindung so genau imitieren konnte, als er solches zu thun im Stande ware, ohnerachtet er solches nur durch eigenen Trieb ohne fremde Anweisung in kurzer Zeit erlernet hatte. Einen hinlänglichen Beweiss hievon geben die viele schöne Werke und Blätter, die er der Welt vor Augen geleget und wovon der gedruckte Catalogus das mehrere anzeiget. Wer diese nur mit flüchtigen Augen angesehen hat, der wird sich gewiss nicht entbrechen können ihm den Namen eines grossen Künstlers beyzulegen, eines Künstlers, dergleichen Italien, Frankreich und Deutschland sowohl als die Niederlande in dieser seiner ganz eigenen Sache der Thier- Pferd- und Jagdstücke bishero noch nicht haben aufweisen können. Ich glaube hiemit nicht zu viel zu sagen und getraute mir auch wohl solches allezeit zu beweisen, da ich nicht nur selbst starke Sammlungen von französischen, niederländischen, welschen und deutschen Kupferstichen besitze, sondern auch noch mehrere gesehen, aber niemals dergleichen Thierstücke gefunden habe, die von dem Künstler selbst nicht nur gezeichnet und zugleich in Kupfer gestochen, sondern auch mit einer vorzüglichen Beschreibung von ihm selbst versehen worden wären. Betrachtet man noch über das die Ridingerische Thierstücke mit gehöriger Aufmerksamkeit, so findet man bey denselben nicht nur ihre natürliche Gestalt, nach ihrem Alter etc. in Licht und Schatten vortreflich gezeichnet, sondern auch die Arten der Haare, des Balges, der Federn, ja selbst den Glanz der Haare in den Vertiefungen und in der Rundung der Körper auf das schönste ausgedrücket. Wie deutlich siehet man die Affekten der Thiere in Stärke und Mattigkeit, in Geschwindigkeit und Trägheit, in Ruhe und Flucht, in Furcht und Listigkeit, in Hitze und Brunft, in Zorn, Grimm und Wuth, in Schmerzen und Todesangst, wenn man nur das Werk, welches er auf 41 Blättern in med. fol. unter dem Titel: Betrachtung der wilden Thiere, herausgegeben, und wozu der berühmte Brockes die Verse verfertiget, oder auch seine Thierkämpfe auf 4 Blätter genauer ansiehet. Gewiss, sollte ein Rubens seinen zornigen Löwen und seine säugende Leopardin auf dem 46sten Blatte der Königl. Pohlnischen und Churfürstl. Sächsischen Dressner Gallerie von Ridingers Hand so schön imitieret sehen, so würde er auch ihm ohne Zweifel Gerechtigkeit widerfahren lassen und seinen Geist in Vorstellung der reissenden Thiere bewundern müssen. Wie viel nutzbares findet nicht ein Liebhaber der Reitkunst und Jagd in seinen Werken? Er siehet hier nicht nur die Lectionen im Reiten, die Jagd, Behetzung und Fang der Thiere, ihre Spuhren natürlich vorgestellet, sondern auch mit Schul- und Weidmännischen Redensarten beschrieben, so dass nicht nur ein Reuter und Jäger noch daraus lernen, sondern auch ein jeder Liebhaber der schönen Künste und Wissenschaften sich einen rechten Begriff von der Sache machen kann. Wie majestätisch sind seine Portraits grosser Herren zu Pferde vorgestellet, wie reizend und theologisch sein Paradis, wie sinnreich seine Fabeln, wie unterscheidend seine Pferde? Wie erfahren er in der alten und neuern Historie ware, das zeigen die herausgegebene grosse Blätter von der Belagerung der Stadt Halicarnassus und von Alexander dem grossen, wie auch der Untergang Pharaonis im rothen Meere etc. Alles dieses haben noch wenige in einer Person so vereiniget gezeiget als unser Herr Ridinger es gethan hat. Bey diesem allen aber ware er gar nicht stolz auf seine Verdienste, sondern bezeugte öfters, dass er sich dieses keineswegs zuschreibe, sondern dass es vielmehr ein gütiges Geschenk der Vorsehung und eine Gabe Gottes sey, welche diesen Trieb schon in seiner Jugend und zwar so unüberwindlich stark ihm eingepflanzet habe, dass er denselben nie unterdrücken können; indem er bey dem öftern Besuche seiner Freunde auf dem Lande, noch ohne zu wissen, warum? sein grösstes Vergnügen darinnen gefunden, wenn er in Wäldern und Feldern dem grossen sowohl als kleinen Wild und Federvieh nachschleichen konnte, um sie nur anzusehen und zu betrachten. Von seinen Malereyen will ich hier nichts gedenken als nur so viel, dass sie mit der Zeit sehr rar und kostbar werden dürften, weil er im Verhältniss seines grossen Fleisses in andern Werken, derselben nicht gar viele, seit einigen Jahren aber gar keine mehr verfertiget hatte. Von seinen letzten gemalten Stücken sind sechs grosse Jagdstücke an den Russisch Kaiserlichen Hof nach Petersburg und zwey nach Zürch gekommen.

So schätzbar und werth nun die Geschicklichkeit und Kunst unsern Herrn Ridinger in aller Augen machen musste, eben so schätzbar ja noch viel schätzbarer wurde er durch seinen moralischen Caracter allen denen, die ihn genauer zu kennen das Vergnügen hatten. Schon sein erster Anblick ware einnehmend und noch mehr Hochachtung fühlte man für ihn, wenn man seinen Verstand und gründliche Beurtheilungskraft, seine Belesenheit und Einsicht in mancherley Wissenschaften bemerkte. Seine angenehme Conduite, sein exemplarischer Lebenswandel, seine Bescheidenheit und kluge Mässigung machten ihm aller Herzen eigen. Kurz, er ware ein wahrer Menschenfreund, der auf einer jeden Seite, wo man ihn betrachtete, Hochachtung und Liebe verdiente. Billig hätte man vermuthen können und sollen, dass ein solcher geschickter Mann, der sich nicht nur durch seine Kunst, sondern auch durch seine kluge Einsichten bekannt genug gemacht, sich immer als einen wahren und redlichen Patrioten gezeiget und über 40 Jahre mit allem Rechte eine Zierde Augsburgs konnte genennet werden, auch von einer Ehrenstuffe zu der andern befördert worden wäre. Dass er es werth gewesen, daran wird wohl niemand zweifeln: allein es geschahe dennoch nicht. In seinen jüngern und muntern Jahren hinderte ihn seine Bescheidenheit, seine Dienste selbst anzubieten und in seinen ältern Jahren dachte er nach seiner Klugheit mit dem alten Barsilai: Was ist es doch, das ich noch zu leben habe? doch wurde er im Jahre 1757. als Assessor des allhiesigen Ehrlöbl. Ehegerichts Aug. Conf. und An. 1759. als Director der Maler-Academie erwählet. Prangt also gleich sein Name nicht mit vielen Ehrentiteln, nach welchen er niemals gestrebet, so wird er doch auch nach seinem Tode in seinen Werken leben und Kenner wahrer Verdienste, welche solche Männer zu schätzen wissen, die ihrem Vaterlande und ihrer Nation Ehre gemacht haben, werden ihn noch in seiner Asche verehren. Wollte Gott, dass seine schätzbare Lebensjahre noch weit hinaus verlängert worden wären und dass wir nicht seinen, insonderheit für die Kunst, immer noch zu frühzeitigen Verlust bedauren müssten! Allein so gefiele es Gott, ihn An. 1767. den 10. April, bey dem Schlafengehen durch einen Schlagfluss plötzlich, aber doch gewiss seiner beständigen Gemüthsfassung nach, selig zu sich abzufordern und ihn zu seiner Ruhe einzuführen. Seine glücklich geführte Ehe wurde von Gott mit 6 Kindern gesegnet, wovon aber nur noch drey, nemlich zwey Herrn Söhne und eine Jungfer Tochter im Leben sind. Beyde erstere widmeten sich von Jugend auf der Kunst unter Anführung ihres nun seel. Herrn Vaters und brachten es auch darinnen so weit, dass sie nun den schönen Kunstverlag desselben nach seinem Tode, der ältere Herr Sohn Martin Elias in Ansehung der gestochenen, der jüngere aber Herr Johann Jacob in Ansehung der schwarzen Kunstarbeit eifrig und ohne Abgang fortsetzen können. Er lebet also auch noch in seinen Herrn Söhnen und sein Andenken wird und soll auch immer im Segen bleiben.“


Wir kennen folgende Portraits von J. E. Ridinger:

1. Ein schönes Blatt, 8″ 6‴ br., 10″ 6‴ hoch, mit der Unterschrift:

„Wer hat das Thierreich so in seines Pinsels Macht?
Wer gibt des Schöpfers Hand in allem ihrem Pracht
An Thieren und dem Wald dem Auge so zu sehen?
Wer weiss so der Natur im Bilde nach zu gehen?
Es muss es Ridinger, sonst kann es keiner seyn.“

Hiermit erneuert das Angedenken aus Bewunderung seiner Kunst und Verehrung seines edlen Herzens Jacob Brucker.

Auf der andern Seite steht:

Wurde geboren in Ulm An. 1698 d. 15. Febr. und gestorben in Augsburg An. 1767 d. 10. April, in Kupfer gestochen von seinem Sohne Mart. El. Ridinger.

Die Zeichnung hat J. E. Ridinger selbst gemacht, und sie befindet sich noch unter den köstlichen Vorräthen Hrn. Rud. Weigel’s.

Er sitzt mit ernster Miene im Freien, im Walde auf einem Lehnstuhl. Den rechten Fuss hat er über den linken geschlagen, die rechte Hand demonstrirend ausgestreckt, mit der linken hält er Palette und Pinsel. Die Brust frei, den Schlafrock um sich geworfen, sitzt er vor einem beendigten Gemälde, einen Hirsch im Walde vorstellend, welches auf der Staffelei vor ihm steht. Unten liegt das Malerkästchen mit dem Wischtuche; auf der innern Seite des geöffneten, zurückgelegten Deckels lesen wir: ipse inv. et del.

Die Ausführung ist recht gelungen und würdig.


2. Lieblicher ist ein anderes Blatt, welches unsern Ridinger würdig abbildet; aber es ist nicht von seiner Hand. Es steht darunter:

J. G. (Joh. Georg) Bergmüller inven. J. Jac. Haid ad viv. pinx. fecit et excud. A. V.

Bergmüller war ein geschickter und fleissiger Maler, radirte auch gut; 1720 Director der Maler-Akademie.

Joh. Jac. Haid, ein Schüler Ridinger’s, war geschickt im Portraitmalen, ausgezeichnet in schwarzer Kunst, der er sich zuletzt ausschliessend widmete. Seine sehr gelungene Tafel, mit der wir es jetzt zu thun haben, ist 10″ br., 15″ h.

Oben erblicken wir Ridinger ziemlich gross, im Lehnstuhl sitzend, Kniestück im Medaillon, welches die danebensitzende Göttin der Jagd zu halten scheint. Er hat die Palette und eine Parthie Pinsel in der linken Hand, in der rechten nur einen, mit dem er einen Hirsch zu malen im Begriff ist, dessen Umriss wir neben ihm sehen. Er blickt uns freundlich an. Sein Gesicht zeigt Geist und Kunsttalent. Diana blickt freundlich auf des Künstlers Arbeit. In der Rechten hält sie den Bogen, zu ihren Füssen liegt der Köcher, ihr Gewand ist am linken Fusse zurückgeschlagen, so dass er weit über das Knie entblösst ist, eine schöne Gestalt. Ridinger’s Portrait ruht auf einem viereckigen Stein, worauf eingegraben:

Joh. Elias Ridinger Pictor et Scalptor Augustanus solertissimus Naturae Indagator ejusque in Animalium praesertim Delineatione Aemulator felicissimus, natus Ulmae Suevorum d. XVI. Febr. MDCXCVIII. Ars Artificis Amicus.

d. h. J. E. Ridinger, Maler und Kupferstecher zu Augsburg, der eifrigste Naturforscher und glücklichste Nachahmer vorzüglich in Abbildung der Thiere, geb. zu Ulm in Schwaben 16. Febr. 1698. Die Kunst des Künstlers Freundin.

Unten wird der Stein theilweise verdeckt von einem gefleckten Jagdhund, welcher traulich neben Diana sitzt, einem daneben liegenden frisch erlegten Hirsche und Eber, darüber sitzt ein Jagdfalke mit Haube, daneben ein von ihm erlegter Reiher und eine wilde Gans. Im Hintergrunde Bäume, deren zierliches Laub stellenweise das Medaillon schmückt.


3. Auch der jüngere Sohn unsers J. El. Ridinger, nämlich Joh. Jacob Ridinger, hat seinem vortrefflichen Vater seine Dankbarkeit bewiesen, indem er dessen sehr gelungene Zeichnung seiner eigenen Person recht fein und sauber in schwarzer Kunst dargestellt und ausgearbeitet hat.

Der Künstler, in noch kräftigem, höherem Alter, sitzt in seinem geschmackvoll decorirten Arbeitszimmer vor seinem zierlich bedeckten Arbeitstische. Die Linke stützt sich auf den einen Arm des Lehnstuhls, die Rechte hält, etwas erhoben, den schöpferischen Zeichenstift, und der Ellenbogen ruht auf einer aufgeschlagenen Zeichnungsmappe, welcher eine andere, zugeschlagene, als Unterlage dient. Der Entwurf ist angefangen, und sein erhobener, sprechend geistreicher Kopf, mit schöner Pelzmütze bedeckt, sinnt eben auf die Fortsetzung. Zur Seite steht eine passende Arbeitslampe mit Blendspiegel, welche ein magisches Licht auf die ganze Scene wirft. Hinten ein Regal mit Bildermappen in Bücherform aufgestellt, daneben ein wohl verwahrter zierlicher Schrank zur Aufbewahrung und Sicherung der kostbaren Zeichnungen, darauf ein Erdglobus, so wie auf dem Regal allerlei Gipsabdrücke zu Studien. Unterschrift:

Dedié à Monsieur Jean Elie Ridinger, Peintre et Graveur et Directeur de l’Academie d’Augsbourg. Gravé par son tres humble et obeiseant fils Jean Jaq. Ridinger An. 1767.

Br. 10″, H. 14″ 8‴.


4. Noch will ich eine hierher gehörende Zeichnung J. E. Ridinger’s, welche nicht benutzt ist, beschreiben. Sie befindet sich in Hrn. Weigel’s Sammlung und ist interessant.

J. E. Ridinger sitzt in seinem Zimmer, die Palette und Pinsel in der Linken, denjenigen Pinsel aber, womit er eben malt, in der Rechten, die Füsse übereinander geschlagen, vor seiner Staffelei, mit Malen beschäftigt. An der Decke sehen wir einen Canarienvogel im Glockenbauer, darunter sitzt seine Frau, mit Nähen beschäftigt, am Nähtisch, davor ein Jagdhund. Rechts ein Repositorium, darauf Statuen und Büsten, darin Mappen mit Zeichnungen und Kupferstichen aufgestellt. Daneben das Fenster mit Gardinen. Hinter Ridinger erblicken wir Freund Hein, mit möglichst freundlicher Miene, den kahlen Schädel mit einem Kranz umwunden, den Künstler auf die Achsel klopfend und die abgelaufene Sanduhr zeigend. Ridinger beugt sich, etwas frappirt, nach dem Gerippe zurück. Seine Frau schreit laut auf und hebt die Hand erschrocken in die Höhe. Auch der Hund blickt erschrocken, daher lautlos, die Erscheinung an.

Darunter hat der Künstler eigenhändig geschrieben:

Johann Elias Ridinger (aetatis 70. hat sein
Sohn dazu gesetzt.)

Da ich aber ansahe alle meine Wercke, die meine Hand gethan hatte, und Mühe, die ich gehabt hatte: da war alles Eitel und jammer und nichts mehr unter der Sonnen.Eccles. 2. c. v. 11.

Denn der Mensch kann doch nicht treffen das Werk das Gott thut, weder anfang noch ende. 3. c. v. 11.

Was Gott thut, das stehet da, und was er thun will das mus werden. 3. c. v. 15.

Darunter hat sein Sohn geschrieben:

„Anno 1767 d. 10. Aprill war unser Vatter in  die Ewigkeit gegangen.“


5. Was nun den Stahlstich betrifft, welcher den Titel dieses Werkes ziert, so ist darüber Folgendes zu bemerken:

Dieses gelungene Oelgemälde ist von der geübten Hand seines Jugendfreundes und Collegen Johannes Seuter, dessen Wittwe nach seinem Tode unser Künstler heirathete, und stellt ihn in Jugendfrische recht sinnig dar.

  1. Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste, Bd. 2, Leipzig, Dyck, 1766, SS. 137-145
  2. Ich weiss nicht, woher es kommt, dass sehr Viele unsers Kunstlers Namen Riedinger schreiben, da sowohl er selbst, als seine Söhne sich stets ohne e unterzeichnen. Obiger Fehler findet sich in der N. Bibl., in v. Stetten’s Kunstgeschichte, in den grossen Künstler-Lexikons der beiden Fuessly und Dr. Nagler, und hat sich bis auf die neueste Zeit erhalten. Joh. Balth. Probst hat ihn sogar einige Mal unter nach ihm gestochenen Blättern, so wie auch Goethe,dinger geschrieben.
  3. Man muss sich aber hiervon keine solche Vorstellung machen, als ob solche nur Puppen und Spielwerke gewesen wären, sondern sie waren nach der Kunst gemacht und beliefen sich auf hohen Werth. Sie waren 6—7 Zoll hoch, wohlgezeichnet und die Pferde, in verschiedenen Stellungen, mit natürlichem Vorder- und Hinterzeug, auch Decken versehen, und so sauber von einer schönen Zusammensetzung, als ob sie poussirt wären; doch waren sie in messingenen Formen gedruckt. Ein Augsburger Bürger liess bei 300 St. von ihm, nachdem er sich hierher gezogen, verfertigen, worunter sich ganze Compagnieen von Kürassieren, Dragonern und Husaren, sammt völliger Feldequipage, mit Kutschen, Sänften, Proviantwagen und dergl., befanden. Nur Schade, dass die Masse nicht dauerhaft, sondern der Zerstörung von Würmern und Käfern unterworfen war. Diese künstlichen Arbeiten, davon die meisten in der Folge nach Venedig kamen, kosteten wohl an 1000 Gulden.
  4. Das ist wohl etwas zu viel gesagt von einem Knaben. Die N. B. sagt bloss, er habe es darin schon zu grosser Fertigkeit gebracht. Im Manuscript fehlt diese Phrase ganz und es heisst: „Er sollte seiner Fähigkeit wegen dem Studieren gewidmet werden.“
  5. Joach. v. Sandrart, deutsche Akademie der Bau-, Bildhauer- und Malerkunst, verbessert von Volkmann, m. Kpf., gr. fol., Nürnberg, Endter, 1769—1775, kostet 40 Thlr. Die alte (erste), sehr geschätzte Ausgabe kostet nach Weigel’s Katalog 20 Thlr.
  6. In der N. B. heisst er, gewiss irrig, Joh. Erlich. v. Stetten nennt ihn Johannes Falk und sagt von ihm, „dass er in Disteln, Gesträuchen und Thieren ein nicht unglücklicher Nachahmer Hamilton’s gewesen sei, und Achtung verdiene, obschon er sein Vorbild nicht erreicht habe.“
  7. v. Stetten sagt von ihm: „Karl Wilhelm Hamilton lebte beständig in Augsburg. Er stammte aus Schottland und befand sich in bischöflichen Diensten in Augsburg. Er malte sehr fein in Oel todte Thiere, Vögel, kriechende Thiere, Insekten, auch Kräuter, besonders glücklich Disteln.“
  8. Daher haben ihn Manche für einen gelernten Jäger, aber gewiss mit Ungrund, gehalten. Selbst Blumenbach theilt diesen Irrthum.
  9. Daniel Herz, oder, wie er sich selbst unterschreibt, Hertz, war ein geschickter Künstler im Zeichnen, berühmt besonders durch seine Zeichenbücher und seine grossen Thesenblätter, auch thätiger Kunstverleger. Er starb 1754 und hinterliess seinen grossen Verlag der kaiserl. Akademie.
  10. Johannes Seuter (so unterschreibt er sich und sein Sohn stets, also ist es irrig, wenn er, wie Viele thun, Seiter oder Saiter geschrieben wird), war Ridinger’s Freund; von ihm ist das Portrait Ridinger’s in Oel, nach welchem unser Titelkupfer gestochen ist. Er war auch sonst ein geschickter Portrait- und Historienmaler und glücklich in Nachahmung grosser Meister. Sein Sohn, Joh. Gottfried, nachheriger Stiefsohn Ridinger’s, hat treffliche Copieen in Oel geliefert, auch gar manche Blätter seines Stiefvaters, und die meisten schön, gestochen.
  11. N. B. schreibt sie: Zürhele, v. Stetten: zur Helle. Sie starb 1773, 80 Jahre alt.
  12. Ein geschickter Arbeiter, welcher über das von ihm eingeführte Krapprothfärben ein Privilegium erhielt.
  13. Der Biograph im Mscpt. macht hierbei den Zusatz: „Wie ich denn selbst in meiner Jugend die Ehre hatte, dessen Instructiones nach dem Runden oder Anticken zu zeichnen einen Winter hindurch genossen zu haben, mich rühmen darf.“
  14. Im Mscpt. heisst es: „Davon folgender Catalog der Beweis ist.“ Dabei steht ein Zeichen, welches auf jenes Verzeichniss hinweiset, das aber leider in unserm Mscpt. nicht mit zu finden ist. Weiss Jemand noch etwas von demselben?
  15. Hier hat der bescheidene Künstler am Rande des Mscpts. die Bemerkung gemacht: „Diese passage mag gantz wegbleiben, weil sie vor mich viel zu hoch ist.“ Ferner findet sich im Mscpt. noch folgender Zusatz: „Der irrige Schluss fällt also weck, auch in Herrn Ridingers Person, wenn man glaubt, es könne kein Künstler gross werden, wenn er nicht in Italien studiert hätte; ja ein solcher ist nach des grossen und auch Kunstgelehrten deutschen Kupfer-Stechers in Paris, Herrn Wills, vortrefflichem Briefe an Herrn Füssly in Zürich noch mehr zu bewundern, wenn er schreibt: „„Ich bewundere Sie mehr, da Sie es (Italien) nicht gesehen haben und doch so Gross geworden seyn, als ich Sie bewundern würde, wenn Sie es gesehen hätten und grösser geworden wären. Die Schwürigkeiten, welche Sie in Ihrem Vatterlande angetroffen, überwiegen die Schwürigkeiten der Römischen Mahler unendlich.“
  16. Hier sind später noch 4 schöne Blätter hinzugefügt worden.
  17. Im Mscpt. lesen wir noch: „Er setzte diese Beschäftigung über seine Männlichen Jahre hinaus fort und hielte diese Stundten vor eine der vergnügtesten seines Lebens.“
  18. Im Mscpt. ist folgender Brief Ridinger’s an seinen Biographen zu finden:
    „Werthester Freund, Ehrlicher Mann
    Ich bin über angeführte Tücke dess sogenannten falschen und blinden Glückes hinaus und ich wünsche, dass Sie diese Sache gar nicht berühren möchten. Es gehet mir, wie dem Barsilai : „„Was ist es doch, dass ich noch zu leben habe?““ Ich bin besorgt, dass es Ihnen Verdruss und mir Neid machen möchte. Aber halten Sie mir meine Sorge zu gut. Sie nehmen diese Beschreibung zur Verantwortung über sich. Sehen Sie zu, wie Sie es verantworten! Vor Ihre Gütigkeit und besondere Freundschaft bin sehr verbunden und gegen Sie und werthes Haus mit aller Hochachtung.“die 12 Novbr. 1764.
  19. Starb 1780, 60 Jahre alt.
  20. Starb 1784, 49 Jahre alt.
  21. Jac. Brucker war Senior des evangel. Predigtamts und Pfarrer zu St. Ulrich. Er zeichnete sich durch gelehrte Schriften und zahlreiche Büchersammlung aus.