Thienemann Online

Vorwort


Wenn es überhaupt heilige Pflicht ist, die Verdienste ausgezeichneter Männer, namentlich wenn sie unserm Vaterlande angehörten, aus der Verborgenheit ans Licht zu ziehen; so drang sich mir dieselbe insbesondere gegen Joh. El. Ridinger auszuüben auf, da sie bisher, auffallend genug, verabsäumt worden war. Innige Liebe zur Natur, namentlich zur Tierwelt, so wie angeborene Neigung zu bildlicher Darstellung meiner Lieblinge, verschafften mir schon als Knaben die Bekanntschaft, ja die Vertrautheit mit Ridinger’schen Kunstblättern; ich beschäftigte mich fast täglich mit den ausgezeichnetsten Werken dieses großen Tiermalers, lernte sie kennen und schätzen, und versuchte mich an ihnen zu üben und nach ihnen zu bilden. Als ich nach Leipzig kam, um Theologie zu studieren, war die erste Ausgabe, die ich, als armer Student, mir erlaubte, von einem fremden Bilderhändler mehrere Kupferstiche von Ridinger zu kaufen. Mein durchlauchtiger Kirchenpatron, dem ich dieses Werk zu widmen gewagt habe, besitzt eine ansehnliche Sammlung Ridinger’scher Blätter und hatte die Güte, sie mir mehrmals auf längere Zeit zu überlassen. Je vertrauter ich mit unserm Meister wurde, desto lebhafter wurde der Vorsatz, etwas über ihn zu schreiben. Ich kaufte, so weit meine Kräfte reichten, von seinen Werken, ich suchte mich genau mit ihnen bekannt zu machen. Da erfahre ich, daß Herr Rudolph Weigel eine köstliche Sammlung Ridinger’scher Zeichnungen besitze. Ich suche seine Bekanntschaft, ich eröffne ihm meinen Vorsatz und auf die liberalste Weise bietet er sich mir zum Verleger an und verspricht nach allen Kräften mein Unternehmen zu fördern. Wie treu hat er, der nun mein lieber Freund geworden, sein Wort gehalten, welche große Opfer für mein Unternehmen gebracht! Mit dankbarstem Herzen gestehe ich, daß ohne ihn mein Werk nie zu Stande gekommen oder etwas sehr Mangelhaftes geworden wäre. Doch darf ich hierbei nicht vergessen, des reichen Kupferstichkabinets in Dresden zu gedenken und die zuvorkommende Güte der Herren Direktoren und Assistenten bei demselben mit freudiger Anerkennung zu rühmen. Denn hier habe ich manche Kupferstiche und den bei Weitem größten Teil der Schwarzkunstblätter allein gefunden und nach eigner Ansicht beschreiben können. Demungeachtet ist es sehr wahrscheinlich, daß mir noch manches Blatt entgangen ist, und ich wage es, an alle Direktoren öffentlicher und an alle Besitzer von Privat-Sammlungen die dringende Bitte zu richten, mir unter Hrn. 11. Weigel’s Adresse das Fehlende anzuzeigen, oder lieber, um es nachträglich zu beschreiben, selbst zur Ansicht mitzuteilen. Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr, und viele von den Kupferstichen nur sehr selten und für hohen Preis zu bekommen. Bei letztem ist ein großer Unterschied zwischen älteren und neueren Abdrücken zu machen. Denn zwar sind nach Ridinger’s Tode, bis auf den heutigen Tag, von vielen Folgen … Abdrücke gemacht worden, doch stehen sie den ursprünglichen weit nach, indem sie zum Teil auf schlechtes Papier schlecht abgedruckt sind. Die aus jüngster Zeit sind zwar meist auf ein gutes, weißes Papier gedruckt, doch ist die frühere Klarheit und Harmonie aus ihnen geschwunden. Am originellsten tritt allerdings die Kunst des Meisters in den ungemein seltenen Ätzdrücken hervor.

Das Maß, welches wir geben, ist das altfranzösische, bisher bei Kupferstichen noch übliche, wobei wir zwölf Zoll als Fuß berechnet haben.

Ich schließe mit dem Wunsche, daß den vielen Natur, Kunst und Jagdfreunden mein Werk nicht mißfallen, sondern seine Absicht erreichen, Ridinger’s Ruhm erhöhen, erhalten, verbreiten und dem um. Verleger seine großen Opfer erleichtern möge. Derselbe besitzt einen reichen Vorrat von alten Abdrücken der Blätter unsres Meisters und wird in der achtundzwanzigsten Abteilung seines Kunstkatalogs ein Preisverzeichnis den Kunstfreunden vorlegen.

Der Verfasser.