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Die Werke Ridinger’s teilen sich gleichsam von selbst, nach der Art ihrer Ausführung, in Kupferstiche und Blätter in schwarzer Kunst. Erstere, mit denen wir uns zunächst beschäftigen wollen, begründen eigentlich seinen Ruhm und werden am Schicklichsten nach ihrem Inhalt gesondert.

 

A.  Kupferstiche,
welche  sich  auf  die  Jagd  beziehen.

Ridinger, obgleich nicht, wie Einige vorgeben, gelernter Jäger, hatte sich, besonders in jüngeren Jahren, viel und gründlich mit der Jagd beschäftigt und dabei zum innigen Freund und Kenner der Natur gebildet. Mit besonderer Vorliebe und vorzüglichem Glück hat er seine Jagdstücke, deren es eine große Anzahl gibt, ausgeführt, sie werden mit Recht ganz vorzüglich geschätzt. Wir fangen mit den frühesten, noch unvollkommenen Arbeiten unseres Künstlers an. Hier begegnen wir zunächst zwei kleineren Sammlungen, welche er nur, und zwar für fremden Verlag, gezeichnet, aber nicht selbst gestochen hat.

Die wahrscheinlich ältere besteht aus 7 Tafeln, welche nicht numeriert, aber für den Verlag Mart. Engelbrecht’s von Georg Christoph Steudner, gestochen sind. Breite 11″, 6‴. Höhe 7″, 2‴.

 

Großer  Herren  Lust  in  allerhand  Jagen

1.

Ist als Titelblatt zu betrachten. Unten in der Mitte lesen wir:

(1) Großer Herren Lust in allerhand Jagen.
Venatus Magnatum oblectatio.

Links unten befinden sich folgende Verse:

„ Es sucht ein großer Fürst am Jagen sein Ergötzen,
Sein Lust ist Wild und Wald, obgleich die Müh sehr gross,
Ein gutes Pferd, Hund, Rohr gehören zu den Hetzen,
Wenn diese wohl bestellt, geht’s munter darauf los. “

Rechts:

„ Matutinus abit Princeps ad lustra ferarum,
In silvis avidum se recreare juvat.
Acer equus, canis atque sagax, glans plumbea sclopi
Pro lubitu praedas quippe parare solent. “

Wir erblicken hier eine zur Jagd ziehende Gesellschaft, zwei voran zu Fuß mit Jagdhorn, Flinte und Netzen, und drei zu Pferd, der hinterste ebenfalls Hunde führend.

2.

(2) Der par force gejagte Hirsch.
Imbellis debellatus Cervus.

„ Es sucht der schnelle Hirsch den Hunden zu entgehen,
Setzt über Stock und Staud’ und wagt sich in den Fluß,
Allein, wann er vermeint ein Ausflucht zu ersehen,
So trifft aus dem Gebüsch ihn Knall und Fall ein Schuß.“

Eine Hirschhatz im Wasser. Der sehr steif geratene Hirsch wird von Hunden und Jägern zu Pferde verfolgt, zwei davon haben die Hirschfänger gezogen, der dritte bläst schon Halali. Vorn ein Hund an einen Baum gebunden.

3.

(3) Der erlegte Grimmige Bär.
Immanis Ursus vi superatus.

„ Es ist die Bären Haz entsezlich anzuschauen,
Weil sich die Bestie so wild zur Wehre stellt,
Er reist viel Hund entzwey mit seinen scharfen Klauen,
Biß Kugel oder Spieß das grimme Untier fällt. “

„ Ungue minax ursus premit eliditque Molossos,
Atque ferox hostis non sine strage perit,
Vulnera vulneribus pensans modo saevior instat,
Donec vel telum, glans vel adacta ferit. “

Vor einer Felsenhöhle wird ein Bär von vier Hunden angefallen, die er aber sämtlich schon wehrlos gemacht hat. Doch widerfährt ihm eben sein Recht, indem ein Jäger die Büchse nach ihm abfeuert, ein Anderer ihm den Jagdspieß in die Brust stößt. Zwei dahinter befindliche halten mit Mühe die wütenden Bärenbeißer zurück, ein Dritter stößt ins Horn. Im Hintergrunde sehen wir noch einen Bär von Hunden verfolgt.

4.

(4) Das gefaellte Verderbliche Wildschwein.
Agros devastans Aper occiditur.

„ Das Wildschwein schäumt und rast und stirbt nicht ungerochen.
Es haut die Hund’ zu schand und macht den Jägern bang,
Bis wann es in der Klupp und man es angesprochen,
Es voller Wut rennt an und sich selbst gibt den Fang. “

„ E stabulo exagitatus Aper fremituque timendus
Fulminco novit sternere dente canes.
Horrendum saevit, donec venabula cernens
Voce lacessitus in sua damma ruit. “

Im Vorder- und Hintergrunde Sauhatzen. Der vordere Eber, von drei Hunden gepackt, von eben so vielen verfolgt, wird bald in den vorgehaltenen Spieß rennen.  Daneben zwei Jäger zu Pferde, der eine den Hirschfänger in der Hand, der andere blasend.

5.

(5) Das nach Gemsen verwegene Steigen.
Demerara Dorcarum Inseclatio.

„ Obgleich von Klipp zu Klipp die Gemsen gleichsam fliegen “ u. s. w.

Eine Alpenlandschaft mit vielen Jägern und Gemsen.

6.

(6) Die aufgesuchten und verfolgten furchtsamen Hasen.
Investigati et exagitati paidi Lepores.

„ Das Zahnweh fürcht der Haas und sucht “ u. s. w.

Eine Gesellschaft reitender Jäger verfolgen mit Wind- und anderen Hetzhunden eine Partie Hasen.

7.

(7) Des Falken und Reigers Luftgefecht.
Falconis et Ardeae pugna in aere.

„ Es sättigt sich nicht gnug die Jagdlust auf der Erden “ u. s. w.

Wir sehen hier einen großen Tummelplatz für Falkoniere, darunter eine Dame.

8.

(8) Die nach glücklichem Jagen vergnügliche Heimreis’.
Feliciter finita venatione suavis reditus.

„ Da sich der Fürst ermüdet hat durch Jagen “ u. s. w.

Der Fürst mit Jagdgefolge galoppiert zurück, ein Jäger führt eine Koppel ermüdeter Jagdhunde, in der Ferne ein erlegter Hirsch auf einem Wagen.

 

No. 5–8 wünschte ich zu erhalten.