Thienemann Online

2  Blatt  Hirsch- + Schweinsjagd
(groß)

Die nun folgenden zwei Tafeln sind die größten und wohl auch die schönsten, welche Ridinger geliefert hat. Breite 2′ 2″ 9‴, Höhe 1′ 5″ 8‴. J. E. Rid. inv. fec. et exc. A. V.

67.

(l) Die Par Force Jagd Eines Hirschen und Wie Er Erlegt Wird.
Venatio Libera Et Violenta Cervi, Ejusque Occisio.

Ein prächtiger Hirsch von zwanzig Enden, von vielen Hunden gepackt, gewürgt und niedergezogen, erhält vom Fürsten mit dem Hirschfänger den Gnadenstoß. Dies ist das Hauptthema, aber wie kunstreich ausgeführt! In der Mitte ein prächtiger Eichbaum, der seine zackigen Zweige über den größten Teil des oberen Randes ausbreitet, daneben Rotbuchen und anderes Laubholz. Rechts zwei Reiter auf stolzen Pferden, darunter aber ein Jäger zu Fuß mit der Hetzpeitsche für die Hunde, alle drei das Halali blasend. Links ein bärtiger Reitknecht mit einem Relaispferde. Vor ihm drei Jäger mit Waldhörnern, auf den Hirsch zueilend, der eine Peitschenhiebe austeilend. Am auffallendsten sind die verschiedenen Zustände der vielen Hunde. Einer links drängt sich unter einem Stamme durch, sechs Stück eilen voll Wut rechts aus dem Gebüsch herzu. Einer liegt heulend auf dem Rücken, einer vorn auf der Seite und streckt alle Viere von sich, indem ihm das Blut aus der Brust strömt, einer hat den Hinterfuß, einer die Seite, einer den Rücken; einer den Nacken und noch einer die Kehle des Hirsches gepackt. Einen drückt der Hirsch mit seinem Kopfe nieder, einen andern durchbohrt er mit dem Geweih, einen dritten hat er mit den Füßen getötet. Jeder Teil dieser großartigen, wilden Gruppe trefflich ausgeführt, so daß man dies Meisterstück nicht genug bewundern kann.

68.

(2) Wie das Wild-Schwein gehaezt und Ihm der Fang Gegeben wird.
Qua Ratione Aper Exagitatus tandem Prosternatur.

Das würdige Seitenstück zu dem vorigen, gleich reichhaltig und gelungen.

Ein knorriger, nach links gebogener Stamm breitet seine Äste weit am oberen Rande der Tafel hin – in der Mitte liegt über zwei Drittel des Bildes ein alter umgefallener Stamm, auf ihm reitet ein Jäger mit Jagdspieß, über ihn klettert ein wütender Bullenbeißer, dahinter ein Reitknecht mit Relaispferd und noch ein Jäger mit Jagdspieß wild auf die Hauptszene blickend, unten ein stämmiger Jäger über Gestrüpp kletternd und uns seine Posteriora präsentierend. Links ein bärtiger Kutscher, ein Pferd haltend und stolz über den Eber wegblickend, vor ihm einige beschäftigt, die wütenden Hunde zurückzuhalten, was ihnen viel Anstrengung kostet. Vor ihnen der Fürst, wie er im Jagdschmuck, mit größter Ruhe, dem festgehaltenen Hauptschweine den zierlichen Sauspieß in die Kehle stößt. Unter ihm zwei stark verwundete Hunde, denen die Gedärme aus dem Leibe hängen, drei dagegen halten es bei den Ohren, davon der eine sich über den Nacken der Sau herüberbeugt, einer hält es bei der Kehle, einer beim Hinterschenkel, mehrere eilen noch wütend darauf los. Unter des Tieres Vorderfüßen liegt einer auf dem Rücken. Da fließt viel Blut.