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Betrachtung  der  wilden  Tiere
mit  den  Brockes-Versen

Doch auch die nun folgende, weit größere, ist unserer ganzen Aufmerksamkeit würdig und verkündigt laut Ridinger’s Ruhm.

195.

Das schön ausgeführte Titelblatt zeigt uns eine Felsentafel, auf welcher wir eingegraben finden :

Betrachtung  der  wilden  Thiere
mit  beygefügter  vortrefflichen  Poesie
des  hochberühmten  Herrn  Barthold  Heinrich  Brockes .

(In Lapidarstil, Alles mit großen Buchstaben). Hierauf folgen mehrere Zeilen an den „Grossgünstigen Liebhaber“, in denen Ridinger zuerst verspricht, das Wachstum (er meint das verschiedene Alter) der wilden Tiere nach der Natur darzustellen; er erklärt sich für unwürdig des von Brockes ihm zu reichlich gespendeten Lobes und schließt mit einem Verse desselben, welchen er von ihm nach Übersendung seiner Zeichnungen in schwarzer Kreide erhalten habe :

„ Wir beschreiben alle beyde,
Gott zur Ehr, und uns zur Freude,
Das so schöne Welt-Gebäude
Ich mit Dinte, Du mit Kreide. Brock. “

„ Der Grossgünstige Liebhaber gehabe sich wohl
Ich bin dessen ergebenster
Joh. El. Ridinger,
inventor sculptor et excud. (soll doch nicht heißen excuditor? das wäre ein neues Wort. Th.) Aug. Vind. A. l736. “

Unter dem Kupferstiche finden wir Alles dies in lateinischer Sprache. Der Vers lautet:

„ In Creatoris Gloriam
Nostrumque oblectamentum
Describimus historiam
Ferarum incrementum,
Ut nigra ego sepia
Sic creta tu mirifica. “

Vale Aestimator bonarum Artium aestimatissime et fave mihi cultori addictissimo Johanni Eliae Ridingero, inventori et sculptori, qui et excudit, Augustae Vind.

An der rechten Ecke sehen wir oben etwas Wolkenhimmel, darin sechs Stück Enten, in schiefer Richtung hinter einander aufwärts fliegend. Auf der linken Spitze der Felsentafel ein herabkletterndes Eichhörnchen, unten blickt ein Waldkauz hervor, rechts unten in der Ecke der Vorderteil eines Bibers, der seine Nager zeigt.

Nun folgen vierzig sehr brav gearbeitete, große, numerierte Blätter. Breite 1′ 3″, Höhe 10″ 3‴. Die Reihenfolge ist sehr willkürlich, jedoch fängt er mit den Hirschen, seinen Lieblingen, an und widmet ihnen weit mehr Tafeln als den anderen. Die ganze Arbeit ist von Joh. Elias Ridinger allein.

Unterschrift deutsch, französisch und lateinisch.

196.

1.  Ein Stuck Wild in der Ruhe mit einem Hirschkalb und Spiesser.

Dann sechzehn Strophen von dem nur allzufertigen Naturdichter Brockes. Man besitzt von ihm neun Bände unter dem Titel: „Irdisches Vergnügen in Gott“ gesammelte Gedichte, in deren sechstem Teile von Seite 192–226 fast sämtliche bei dieser Sammlung befindliche Verse abgedruckt sind. Sie werden hier weggelassen, da sie viel zu breit, oft wässerig, zuweilen jedoch naiv und sinnig sind.

Wir sehen hier ein geflecktes Hirschkalb hinter seiner Mutter liegen, hinter dieser ein keck sich umsehender Spießer. Schöne Waldpartie. J. El. Ridinger inv. pinx. sculp. et excud. So hier, so unter allen folgenden.

197.

2.  Ein Gabelhirsch, welcher die mit Baast-bewachsene Kolben auf, und noch nicht verreckt hat.

Also ein zweijähriger Hirsch, dessen Spieße noch einen Zacken bekommen haben und so zur Gabel geworden sind. Die neuen Geweihe sind noch mit zartem Fell, Bast genannt, bedeckt. Dies hat er noch nicht abgerieben („nicht verreckt“ nennt es der Jäger). Er steht, eine schöne Figur, in Waldwasser und blickt uns an.

198.

3.  Ein Hirsch von 6. änden, der angeschweist und flüchtig ist.

Brockes sagt:

„ Er fleucht und bleibt auf einer Stelle.
Dis ist nun keine Zauberey;
Doch ist es eine schwarze Kunst. “

Ein herrlicher Wald! Dem Hirsche merkt man seine Ermattung an, es sind die letzten Kräfte, welche er anstrengt.

199.

4.  Ein Hirsch von 8 änden, welcher ganz verträulich geht, und gen Holz ziehet.

Brockes singt:

„ Ob in diesem Kupfer-Stück ich zuerst das Pflanzen Reich,
oder erst das Thier Reich sehn, oder alle zwey zugleich
schauen und bewundern wolle, zweifelt mein verwirrter Blick. “

Mit einem Worte: Sie sind beide schauenswert.

200.

5.  Ein Jagtbarer Bürghirsch von 10 aenden, wie solcher mit Schreyen, dem Wild nachstreichet.

„ Zwischen schroff und gähen Felsen, höhr ich das Gewässer rauschen,
Seh ich einen muntern Hirsch hier aufmerksam stehn und lauschen
voller innerlicher Glut, voller brünstigen Begier
ob er nirgend Wild verspühr. “

Felsen, Wasserfall, ein schreiender Brunfthirsch.

201.

6.  Ein Hirsch von 12 änden, welcher in voller Flucht ist.

„ Seht geschwinde! wie so rasch, munter, fertig, schnell und leicht
hier der Hirsch auf flacher Ebne nach dem Walde springt und fleucht! “

202.

7.  Ein Hirsch von 14 änden, welcher den Bast in leichten gestreiche abstreifft.

Wieder ein sehr gelungenes Blatt. Die rauhe Haut, womit das erneuerte Geweih überzogen ist, verursacht ihm ein Jucken, weswegen er dasselbe im Gestrüpp abzureiben bemüht ist.

203.

8.  Ein Hirsch von 16 änden, welcher sich zu kühlen die Weyde an dem Wasser nimbt.

Wieder ein vorwärts, um zu äsen, gebückter schmucker Hirsch, der zugleich sein Bild im Wasser bewundert.

204.

9.  Ein starker Brunfft-Hirsch von 18 änden, welcher von Hitze des Brands sich zu Kühlen in einem Brudel oder Solachen ligt.

„ Wie so wild ist dieser Wald!
Sind die Aeste, die so knorrig, nicht fast ungeheuer schön?
Aber wie erblick ich hier in so kläglicher Gestalt
Einen sonst so muthgen Hirsch! – Ruft er uns nicht warnend zu:
Schaut an mir die Wuth der Triebe,
Kurz ein Bild missbrauchter Liebe. “

205.

10. Ein starker Hirsch von 20 änden, wie er mit dem Gewicht einen Ameysshauffen durchfährt, und vor zorn mit den Lauffen in den Boden scharret.

Daß der Hirsch vor Zorn den Roßameisenhaufen aufscharre, darin irrt Ridinger, das tut er mit Wohlbehagen, weil ihm der stärkende Ameisenduft angenehm ist.

206.

11. Ein Hirsch von 24 änden in seinem Lager in der Ruhe brächtig.

Ridinger kann sich von seinem Lieblingsgegenstande gar nicht trennen. Der edle Vierundzwanziger liegt in einem schönen Park, auch in der Brunftzeit.

207.

12. Ein Kümmerer, ein Gall Thier, Trächtiges Wild und Schmalthier.

Also noch vier Stück, welche den Kehraus machen.

„ Es sieht dem Kümmerer der Kummer aus den Augen,
Die ernste Stellung zeigt des Gall-Thiers Alter an.
Der Hirschkuh kann man es fast aus den Augen lesen,
Daß sie der Brunfthirsch einst zum Weibe auserlesen.
Das schlanke Schmaal-Thier zeigt der frischen Jugend Spuhr. “

Gewiß nicht bloß für den Jäger und Jagdfreund eine höchst interessante Folge von Hirschen.

208.

13. Eine Bache mit ihren Jungen oder Frischlingen im Lager.

Die alte Saumutter sitzt in behaglicher Stellung und ist von sieben Frischlingen in verschiedenen Lagen umgeben, und scheint sich nicht wenig darauf einzubilden.

209.

14. Ein und zwey Jährige Frischlinge, 3 Jähr. Käuler, 4 Jähr-Hundschläg. sie haben ihr gewerff eines starken Zoll lang heraus stehen, sind in diesem alter am geschwindesten, das Weibl. wird eine starke Bache genannt.

Wir sehen hier sechs Schweine von verschiedenem Alter durch einen Wald rennen, die alten voraus.

210.

15. Schweine von 5 Jahren werden angehende auch hauende Schweine genannt ihr gewerff ist ihnen eines Fingers lang sehr scharff.

Wir erblicken deren drei auf dieser wohlgeratenen Tafel, eins reibt sich an einem Baumstamme, eins grunzt uns sitzend an, und das dritte liegt fest schlafend.

211.

16. Schweine von 6 bis 7 und mehr Jahr nennt man Haubt Schweine ihre groesse erkennt man an den Baeumen worbey der Soler stehet, ihr Alter aber an dem gewerff, welches ganz stumpff und dicke ist.

Ein solches Hauptschwein liegt in einer Lache und suhlt sich. Der Wald ist wild, aber prächtig.

212.

17. Gefleckter Dam Hirsch.

Eine herrliche Gruppe Damwild in unübertrefflich schönem Walde. Nach meiner Überzeugung das lieblichste Blatt in der ganzen Suite. Nein, man kann nicht genug bewundern, wie lebendig und ansprechend Alles hier dargestellt ist!

In der Mitte zwei Männchen, das eine sich an den herabgezogenen Blättern einer Eiche labend, das andere vor ihm in behaglicher Ruhe liegend. Daneben links drei Weibchen, liegend, gehend und stehend, nebst einem netten Kälbchen, alle aufgeregt.

213.

18. Weisser Dam Hirsch und die Hündin; sie haben meistens zwey Junge; erreichen ihre grösse im 4. und 5. Jahr.

Sie sind in eiligster Flucht, das Weibchen hinter dem Männchen, und springen über eine Einfriedung hinweg.

214.

19. Der Rehebock und Geiss sind im andern Jahr zur Brunfft tüchtig. Die Junge, deren sie zwey haben, werden Kize genannt.

Auch eine interessante Gruppe in schönem Park. Vorn liegt der Bock und schreit; gleich hinter ihm die Ricke mit dem an ihr saugenden Jungen. Wie lebhaft sieht sie sich um. Das andere Junge steht von ihr abgewendet. Daneben ein junger Bock in aufgeregter Stellung, dahinter eine junge Ricke liegend.

215.

20. Der Iltiss. Sie haben 2. 3. bis 4 Junge, und sollen 10 und mehr Jahre erreichen.

Im Hintergrunde schöne Landschaft, mit einem hohen Felsen, darauf alte Burg, vorn Bäume und ein alter Baumstrunk. Davor spielen zwei junge Iltis, der Papa sitzt ruhig dabei, die besorgte Mama aber bringt den Kinderchen ein Ei zum Schmausen im Munde.

216.

21. Wölffe von 3. bis 4. Jahren und ausgewachsenen Alter haben auf einmahl 8. bis 9. Junge, leben bis 20. Jahr.

Eine schauerliche Szene; von Felsen umgeben fünf heulende Wölfe in abwechselnder Stellung, einer immer grimmiger, als der andere.

217.

22. Der Luchse, sind zweyerley Stein- und Kälber-Luchsen. Sie haben zwey bis 3 Junge und sollen lang leben.

In einer prächtigen Felsengrotte hausen zwei Luchsfamilien. Wir sehen von sehr verschiedenem Alter, und in sehr charakteristischen Stellungen acht Stück.

218.

23. Die Füchse sind zweyerley rothe und Brandfüchse; haben 4. bis 6. Junge, sind im andern Jahr zur Brunfft tüchtig.

Wir finden bei interessanter Umgebung neun Füchse dargestellt, welche, keinen Frieden halten zu wollen, den Anschein haben. Dabei ist eine glückliche Mutter mit vier Jungen, welche unter ihr herumkriechen. Brockes singt:

„ Ridingern ists nicht genug, Körper lebhaft vorzustellen,
Er zeigt unsern Augen, gar, dieser Thiere hönisch bellen,
ja noch mehr er kann so lief in den Geist der Thiere dringen,
ihn mit aller Leidenschaft sichtbar in ein Kupfer bringen
und der Füchse Geist, von innen, recht heraus zu sehen, zwingen. “

219.

24. Die wilde Kaz oder Kuder wird im Alter sehr gross, haben 3. 4. bis 6. Jungen.

Brockes:

„ Auf dem dürr- und morschen Baum, halb ergrimmt, halb lächerlich,
Dort ein bunter wilder Kater einen Katzen-Puckel macht!
seht wie mit entflammten Augen hier ein ander über sich,
schon im Sprung begriffen, steht! Seht wie mütterlich die Katze
an den närrischen Figuren ihrer Jungen sich vergnügt,
und, indem sich eines welzt, eines mit gestreckter Tatze
springt und sich im Sprunge dreht; eine sich bossierlich biegt,
und den regen Rücken krümmt; innig sich zu freuen scheint. “

220.

25. Die Gemsen haben 1. 2. selten 3. Junge, das Mänlein erreichet gleich der Geis seine Stärcke im andern Jahr, leben sehr lang.

Eine Schweizer-Partie, wo sich Felsen auf Felsen türmen. Oben drei, unten fünf Gemsen, jung und alt, liegend, stehend und fortschreitend.

221.

26. Der Haas ein Ramler und die Satzhäsin erreichen ihre grösse im ersten Jahr.

Der Hintergrund ein prächtiger Park, im Vordergrund eine Häsin mit einer Herde Jungen von verschiedenem Alter, der Rammler macht in der Mitte ein possierliches Männchen; noch eins kehrt uns den Rücken zu.

222.

27. Die Biber haben 2. bis 3. Junge, erreichen im andren Jahr ihre Kräffte zur Zucht; nehmen auch an grösse immer zu.

In der Mitte eine starke Weide, an welcher der eine Biber seine Zähne versucht, hinter ihm ein anderer schreiend. Vorn Wasser, dabei zwei junge Biber, halbwüchsig. Recht ansprechend.

223.

28. Die Fisch Otter haben 3. bis 4. Junge; bekommen im andern Jahr vermögen zur Zucht, werden immer grösser.

Eine Felsengrotte nebst Wasserfall zeigt uns eine Fischotterfamilie aus den beiden Eltern und drei Jungen bestehend.

224.

29. Der Dachs und das Eichhörnlein, haben beyde 3. bis 4. Junge, die letztere sind im ersten Jahr zur Brunfft tüchtig.

Oben ein Eichhörnchen, welches fressend ein Männchen macht, weiter unten noch ein alles und zwei Junge. Im Vordergrunde eine Dachsfamilie, in der Zahl wie die Eichhörnchen.

225.

30. Das Wieselein hat meistens zwey, der Marder aber 3. bis 4. Junge, leben zimlich lang.

Wir treffen hier drei verschiedene Tierarten, oben im Walde sechs Stück Baummarder, drei noch ziemlich kleine; darunter bei Felsen den Stein- oder Hausmarder, und auf der andern Seite vier Stück kleine Wiesel, ein Junges wird von der Mutter in der Schnauze getragen.

226.

31. Die Bären haben zwey, selten 3. Jungen; kommen im 5. Jahr zu ihrer grösse; leben über 20. Jahr.

Eine Bärengruppe sondergleichen auf und unter oder neben Felsen. Die Hauptperson, die Bärenmutter, steht aufrecht in der Mitte und blickt grimmig und unter furchtbarem Gebrumme auf eine in der Nähe bei einem Jungen liegende andere Bärin, welche natürlich das Brummen erwidert, da sie auch von den beiden Jungen der ersteren angeflennt wird. Unten liegt, in tiefem Schlaf versunken, der Vater Bär und erinnert an das Horazische: Impavidum ferient ruinae.

227.

32. Die Löwin traeget ihre Jungen ein halb Jahr, setzet deren 3. 4. bis 5.

In einer künstlichen Felsenhöhle bei vorn aufgezogenem Gatter sehen wir eine Löwin, krötenbreit über ihren drei Jungen ausgestreckt. Diese nette Gruppe ist oft, zumal auch in Schreber’s Säugetieren, kopiert worden. Ich war so glücklich, diese Sammlung nebst mehreren anderen aus dem v. Schreber’schen Nachlasse zu erhalten.

228.

33. Der Löwe erreichet seine vollkommene Stärke im 5ten oder 6ten Jahr, nimt auch noch laenger an groesse zu und wird sehr alt.

Dies ist der schöne Löwe aus der Menagerie im Jardin des Plantes zu Paris und gleicht dem aus der van Aken’schen Sammlung berühmten Nero, der jetzt im Münchner Naturalienkabinet befindlich ist. Im Hintergrund ist unser Löwe noch viermal, sehr verkleinert, in verschiedenen Stellungen zu sehen.

229.

34. Der Leopard ist mit dem Tiger gleich.

Ja, so dachte man damals allgemein, aber es war drum ein großer Irrtum, wie jetzt das Schulkind weiß. Sehr leicht sind beide schon an dem Fell zu unterscheiden. Leopard oder Panther (beide Namen gehören einem und demselben Tiere, Felis pardus Linn.) sind schön gefleckt, der Tiger aber gestreift. Wir erblicken hier auf Felsen vier Panther, zwei alte und zwei junge. Das alte Männchen sitzt auf der Lauer, das Weibchen schläft auf der Seite liegend, damit die Jungen, welche hinter ihm spielen, saugen können.

230.

35. Die Rennthier erreichen ihre grösse und Stärcke im 5ten Jahr setzen meist nur ein junges.

Eine Winterlandschaft mit Nordlicht in Lappland, darauf im Hintergrund ein Rentier mit Lappen und Schlitten; vorn aber ein großes, ebenfalls angeschirrt, aber ohne Schlitten im vollsten Laufe.

Diese nette Abbildung finde ich eben so wenig, als die folgende, zitiert, was sie doch gewiß verdienen.

231.

36. Das Elend komt erst im sechsten Jahre zu seiner grösse, sie haben meistens 2. auch wohl nur ein junges.

In einer öden Gegend vorn ein großer Elchhirsch, ganz natürlich einherschreitend; in der Ferne zwei Weibchen. Recht brave Darstellung dieses seltenen Tieres.

232.

37. Die Auer Ochsen haben nur ein, selten 2 junge; erreichen ihre vollkommene grösse und stärke erst im 6ten Jahr und sollen lange leben.

Dies ist die sehr getreue und vorzüglich gut ausgearbeitete Abbildung des seltenen Bonasus, oder Europäischen Wisent. Die Kuh bringt stets nur ein Kalb. Mit Recht hat man diese gute Tafel mehrmals kopiert.

233.

38. Die Tiger-thiere haben 2. bis 4. und mehr junge, welche blind, wie alle Raub Thiere geworffen werden; ihr alter sollen sie bis auf 40 jahre bringen.

Obgleich Ridinger Leopard und Tiger auf Tab. 34. für identisch erklärt, so bildet er dennoch hier abermals eine große Katzenart ab, welche er vorzugsweise Tiger nennt. Aber weit entfernt, daß es der eigentliche Tiger wäre, scheint es vielmehr der Jaguar, felis Onca. Linn. zu sein. Große Felsmassen, vor denen das Männchen halb aufgerichtet liegt und verdrießlich aussieht. Das oben sitzende Weib läßt die Jungen an sich saugen, zwei Stück.

234.

39. Der Steinbock sie haben nur 1 zuweilen 2. junge, kommen zu ihrer vollkommenen größe erst im 4. oder 5ten Jahr und werden sehr alt.

Wir nehmen auf der Spitze eines Felsens drei davon, zwei alte und einen jungen wahr. Es hat der vordere einen etwas zu starken Knebelbart, auch ist die Spitze des einen Hornes, gegen die Natur, am Ende ein wenig aufwärts gekrümmt. Vielleicht hat Ridinger nicht Gelegenheit gehabt eines dieser seltenen Tiere lebendig zu sehen.

235.

40. Das wilde Pferd wird bis ins 3. u. 4te Jahr in der Wildniss gelassen, sodann zum gebrauch abgericht; meistens faellet nur ein, bisweilen 2. junge; zum gebrauch dienen sie 15. bis 20. Jahre.

Wir erblicken hier ein mutiges Roß, wie es voll Mut und Feuer über einen alten, im Wege liegenden Baumstamm hinwegspringt. Die Mähne ist schön gekräuselt, woran man wohl erkennen soll, daß es ein wildes sei. Aber es finden sich nirgends wilde, wohl aber in vielen Gegenden verwilderte Pferde. Wir hören noch Brockes:

„ Wie dies Thier ein Meisterstücke von der bildenden Natur,
so ist die durch wenig Striche, hier gebildete Figur
auch des Meisters Meisterstücke. Las dies Bild das letzte seyn,
ich kann Dir nicht weiter folgen Ridinger sonst mahl allein. “

Bravo!

 

Auch zu dieser Sammlung finden sich manche treffliche Zeichnungen unter den überaus reichen Vorräten Herrn R. Weigel’s, z. B. die Wölfe, Füchse, Rehe.

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