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Vier  Blatt  Tiere  mit  Versen

In dem ausgezeichneten Kupferstichcabinet in Dresden sah ich unter vielen anderen Merkwürdigkeiten auch eine kleine Sammlung von Tieren in bedeutender Größe. Sie bestand aus vier Blatt, Br. 10″ 6‴, H. 6″ 5‴.

Joh. El. Ridinger del. Jacob Wagner sc. J. Georg Hertl exc.

558.

(1) Geht was von Speisen ab, kommt’s in die Schüssel mein,
Davor muss ich allstets ein treuer Wächter seyn.

Dasselbe in lateinischer Sprache. Dies kommt gleichsam aus dem Munde eines auf einem Kissen liegenden Hundes, welcher knurrt, und dadurch seine Wachsamkeit kund gibt.

559.

(2) Eine Katze, noch größer als der vorhergehende Hund, hat sich aus einem umgestoßenen Topfe eine Wurst geholt; darunter die Verse:

Seyndt schon die Wurst verwahrt, ich weiss sie doch zu holen,
mir schmeckt kein Bissen wohl, er seye denn gestohlen.

560.

(3) Ein weißes Kaninchen, von Melonen, Kürbis, Weintrauben, Pflaumen umgeben, läßt sich also vernehmen:

Ob um mich zwar mehr Früchte liegen,
Thut mich doch nur die Traub’ vergnügen.

561.

(4) Ein Eichhörnchen, von Äpfeln, Birnen, Nüssen u. s. w. umgeben, frißt einen Nußkern und äußert:

Zum Obst thu’ ich mich leicht bequemen,
dach allererst die Nüsse nehmen.