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D. Abbildungen von Pferden .

a) Einzelne Pferde nach ihren verschiedenen Rassen .

Im Allgemeinen ist hier zu bemerken, daß Ridinger ungemein viel Pferde gezeichnet, weniger selbst gestochen hat. Es scheint ihm viel Mühe gekostet zu haben, den Anforderungen der Natur und der Kunst dabei zu genügen, mehr als etwa bei den Hirschen und anderen wilden Tieren. Aber es ist auch zu bewundern, wie fleißig er darin gearbeitet, welch’ eine Unzahl von Studien er gemacht hat, um es zu einer gewissen Vollkommenheit zu bringen. Davon zeugt laut und belehrend die treffliche Weigel’sche Sammlung. Und, wenngleich Manche noch behaupten, die Pferde wären Ridinger’s Glanzpunkt nicht, so kann ich nicht umhin, frei zu bekennen, daß, wenigstens nach meiner Ansicht, auch manches schöne Pferd von Ridinger’s Hand geliefert worden ist.

 

Wir machen den Anfang mit einer reichen Sammlung, welche wir

Pferderassen, Nationalpferde

oder mit Ridinger

Nationen-Pferde nennen.

Sie wird in manchen Verzeichnissen zu niedrig mit 28 oder gar nur mit 25 Blatt angegeben, da sie deren 32 umfaßt und wenn man, wie im Herzbergischen Katalog geschieht, die Türkischen Pferde zu ihr rechnet, welche aber, streng genommen, eine besondere kleine Sammlung bilden, 36. Gezeichnet hat sie sämtlich Joh. Elias Ridinger, aber nur 4 davon selbst, 9 hat sein Stiefsohn, Seuter, die übrigen 19 sein Sohn, Martin Elias, gestochen. Die Umgebungen passende Landschaften, vier Pferde stehen frei da, zwei tragen den Reiter, die übrigen sechs und zwanzig werden von passenden Personen geführt. Numeriert sind sie nicht und ich werde sie nach ihrem Adel und Vaterland folgen lassen.

562.

(1) Arabisches Pferd. Cheval d’Arabie. Equus Arabiae.

In diesen drei Sprachen ist jede Unterschrift. Ein Araber halt ein schönes, galoppierendes, dunkel gefärbtes Roß am Zügel, an dem wir freilich die Hauptunterscheidungszeichen dieser edelsten und seltensten Rasse vermissen, weil sie Ridinger nicht gesehen hat.

563.

(2) Persianer.

Ein prachtvoll geschmücktes edles Roß, von einem geputzten Mohren geführt.

564.

(3) Ein Barber.

Auch Barbe oder berberisches Pferd genannt, stellt sich als ein mutiges, stolzes Roß dar, gesattelt und von einem Bereiter geführt.

565.

(4) Ein Türkisch Pferd.

Hellfarbig, den kleinen Kopf hoch tragend, schön geschmückt, mit Schild, Köcher, Bogen und Pfeilen versehen und von einem Mohren geführt.

566.

(5) Ein Seraskier aus der Wallachey. Imperator exercitus turcici ex Wallachia.

Er reitet ein prächtiges Tigerpferd in seiner Staatskleidung.

567.

(6) Tartarisches Pferd.

Im vollen Lauf oder gestreckten Galopp, ganz frei.

568.

(7) Ein Spanisches Pferd.

Ein Spanischer Elegant führt eine stolze Schecke vor einer steinernen Mauer vorbei. Die Spanischen Pferde sind durch arabische veredelt und behaupteten sonst den ersten Rang unter den Europäischen.

569.

(8) Spanisch Genett.

Ein Apfelschimmel mit Rammskopf steigt mutig in die Höhe, und läßt sich nur mit großer Anstrengung von dem schreienden Führer in spanischer Tracht bändigen.

570.

(9) Engellaender.

Ein anglisirtes Pferd, edler Rasse, mit Schwanenhals, steht gesattelt vor uns, geführt von einem Herrn im Jagdkleid, der uns sein Compliment macht.

571.

(10) Ein Engellaender über Land reutend.

In kurzer Reitjacke und Stulpenstiefeln sitzt er fest auf seinem, schön anglisierten, Schimmel und läßt ihn traversieren.

572.

(11) Ein Teutscher.

Eine, etwas wild aussehende, deutsche Schecke trabt, von einem Bereiter geführt, und mit der Peitsche ermuntert, an einer Mauer hin.

573.

(12) Preuss.

Ein tanzender Rappe wird von einem Bereiter geführt.

574.

(13) Ein Böhmisches Pferd.

Ein dunkles Pferd mit Blässe, Zaum und Gurt läuft frei gestreckten Galopp.

575.

(14) Holsteiner.

Eine schmucke Holsteiner Isabelle von einem Knecht geführt, im Schritt.

576.

(15) Mecklenburger.

Ziemlich das zierlichste Pferd unter den einheimischen Rassen, wird hier von einem Bereiter an der Longe geführt, welche vorn am Kopfe befestigt ist, und geht bergab.

577.

(16) 0ldenbürger.

Ein oldenburger Schimmel wird von einem Knechte geführt, wiehert und stutzt.

578.

(17) Ein Frieslaender.

Ein stattliches, starkes Pferd mit geflochtener und aufgeputzter Mähne steht, zwar gezäumt, aber frei da und zeigt uns seine Kraft.

579.

(18) Hollaender.

Ein dunkles, ganz ruhig stehendes Pferd, von einem Knechte mit der Reitgerte, gehalten.

580.

(19) Niderländer. Equus Belgicus.

Ein wildes Pferd, in schwieriger Stellung, wird von einem Knechte, der darüber seinen Hut verloren hat, vor einer Wand zurückgezogen.

581.

(20) Franzos aus Limosin. Equus Gallicus.

Ein galanter Franzose führt dieses einfache Landpferd.

582.

(21) Ein Normand.

Ein tanzender, mit Decke versehener Brauner, wird von einem zierlichen französischen Bereiter geführt. Aus der Normandie und Limosin kommen die besten französischen Pferde.

583.

(22) Ein Neapolitaner.

Der mutige Rappe wird von einem eingeborenen Bereiter an der Longe auf die Reitbahn geführt.

584.

(23) Dähnisches Pferd. Equus Danicus.

Ein edles dänisches Roß, eine Falbe, wird springend von einem Bereiter gehalten.

585.

(24) Schwedisches Pferd.

Ein schwedischer Bauer, nach etwas hinzeigend, hält dies ganz ruhig stehende Pferd am Zaume, dem man das nordische Klima anmerkt.

586.

(25) Ein Polak.

Ein polnischer Edelmann in seiner Pelzkleidung führt eine schöne polnische Schecke, welche zwar jetzt ruhig steht, aber Lust zeigt, vorwärts zu eilen.

587.

(26) Ein Ungar.

Ein ungarischer Schweißfuchs, steht mit hochaufgerichtetem zierlichen Kopfe, wohlgezäumt, ruhig da, indem ein Husar traulich ihm die Hand auf das Kreuz legt.

588.

(27) Siebenbürger.

Das gesattelte Tigerpferd courbettiert neben seinem Führer in Landestracht.

589.

(28) Wallach. Equus Valachiae.

Ein schmuckes, brav gearbeitetes Pferd, mit seinem Führer.

590.

(29) Croat.

Durch eine Felsengrotte geht ein Croat behutsam bergab, und führt seinen Gaul, der ihm, mit vorwärts hängendem Kopfe ganz gemütlich folgt.

591.

(30) Moscowittisch Pferd. Cheval de Russie.

Ein Russe mit einer Pelzmütze geht vor einer Schecke her, die er am Zaume hält und zeigt seinem Hunde einen Gegenstand, nach welchem er laufen soll.

592.

(31) Ein Gestütt Pferd.

Ein braver Zuchthengst von dunkler Farbe steht gezäumt ganz ruhig vor uns.

593.

(32) Ein ordentl. Land Roß. Equus communis.

Allerdings ein kleines, gemeines Bauernpferd, gezäumt, phlegmatisch dastehend.

Diese zwei und dreißig Blatt machen unsere, eigentümlich brav gearbeitete Sammlung aus. Br. 1′, H. 8″ 8‴.


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Nicht eigentlich als Anhang oder Ergänzung, sondern als eine kleine Sammlung für sich zu betrachten, ist die nun folgende, welche schon erschien, da die Nationalpferde erst zur Hälfte herausgegeben waren. Sie besteht aus vier Stück, davon je zwei und zwei ausgegeben wurden und dazu ein Blatt Text mit Titel und Vorrede.

Türkischer  Pferdeaufputz,

samt  einem  die  nöthigen  Anmerkungen  hiezu

enthaltenden  Brief.

Herausgegeben

von

Johann  Elias  Ridinger.

in  Augsburg  1752.

In der Vorrede sagt Ridinger, daß er sich durch die erste Hälfte seiner erschienenen Nationalpferde auch die Gunst eines Baron v. Gudenus erworben und diesen bewogen habe, ihm Türkische Pferdsequipagen, in Konstantinopel genau nach der Natur gezeichnet, zu übersenden. Ridinger brachte diese Zeichnungen ins Reine und zeichnete Pferde hinein, welche damit geschmückt waren: so entstanden noch folgende vier Tafeln, die er ganz folgerecht „Türkischer Pferdeanputz“ nennt. Br. 1′ 2‴, H. 8″ 11‴; und numeriert.

594.

I. Türckisch Keyserliches Hand Pferd. Cheval du main du Grand Seigneur.

Gestochen sind sie alle von Martin Elias Ridinger.

In dem nun abgedruckten Briefe d. d. Konstantinopel den 7. März 1741, lesen wir, daß die verschiedenen Würden sich durch ihren Aufputz der Pferde besonders auszeichneten, wobei sie keinen Aufwand an Gold, Silber, Diamanten, Samt, kostbaren Stickereien und dergleichen scheuten. So habe der Sultan bei einer großen Audienz 1740 dreißig Pferde in Parade aufstellen lassen, davon das eine mit Rubinen, das andere mit Smaragden, das dritte mit Carniol, das vierte mit Türkis besetzt gewesen u. s. w. Eine Pracht, welche man nicht genug halte bewundern können.

Ein solches, mit Schmuck überladenes Pferd, stellt uns hier Ridinger vor Augen. Der Kopf mit Federbusch von etwa vier Straußenfedern, eine Auszeichnung, welche nur die Leibpferde des Sultan an sich haben dürfen, die Brust mit reichem Gürtel und Rosetten geschmückt. Es wird von einem Janitscharen in spitziger Filzmütze in den zweiten Hof des Serail geführt.

595.

II. Divani von der rechten seite anzusehen.

So wird das Pferd genannt, welches der Großwesir und andere Wesire in ihrer Staatskleidung zu reiten pflegen. Daumdicke silberne Ketten gehen von der Halfter zum Sattel herab und verursachen ein eigenes Geklimper, der Sprungriemen schön, die Decke trefflich gestickt. Das Pferd wird im Hofraum eines vornehmen Türken von einem Muselmann geführt, und springt.

596.

III. Divani von der linken Seite.

Dies ist ein ganz anderes Pferd und ganz anders geschmückt, als das vorige. Es befindet sich im Vorhof eines vornehmen Türken, und wird ebenfalls von einem Muselmann geführt. Es hebt den Kopf stolz in die Höhe, hat einen bequemen Sattel und reich mit Goldblech verzierten Zaum und Halsriemen.

597.

IV. Hand Pferd eines Pascha.

Ebenfalls von der linken Seite dargestellt, bei einem großen '"Kiosschk (Kiosk), offenen Garten- oder Lustsaal, von einem Türken geführt. Es zeichnet sich durch lange Decke, mit Edelsteinen, Silberdressen und dergleichen reich geziert, und durch Pantherfelle darüber, vor den anderen aus. Kopf und Füße schmuck und fein.


Noch muß ich hier eines Kuriosums gedenken. Ich habe nämlich unter den Türkischen Pferden noch ein anderes Blatt mit III bezeichnet und der Unterschrift: „Divani von der linken seite“ erhalten, wo in denselben Umgebungen ein springendes Pferd, aber ebenfalls wie N. II. von der rechten Seite dargestellt ist, weil man es vor dem Stiche umzuzeichnen vergessen. Es ist nun zwar kassiert und durch ein anderes richtiges ersetzt worden, gehört aber eben nicht zu den Seltenheiten.

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