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H.  Fabeln.

Das fromme, edle Streben, bei seinen Arbeiten recht gemeinnützig zu werden, brachte Ridinger auf die glückliche Idee, eine Partie zu Fabeln geeignete Tiergruppen zu entwerfen. Da fand sein schöpferischer Geist die erwünschteste Gelegenheit, sich als Tierseelenmaler recht frei zu bewegen, und sein ausgezeichnetes Talent darin im glänzendsten Lichte erscheinen zu lassen. Grund genug, dabei etwas länger zu verweilen. Der deutsche Titel in gr. fol. lautet:

Lehrreiche  Fabeln

aus  dem

Reiche  der  Tiere

zur

Verbesserung  der  Sitten

und  zumal

dem  Unterrichte  der  Jugend

neu  entworfen

Erster  Versuch

Herausgegeben
von

Johann  Elias  Ridinger,

Maler  in  Augsburg,
1744.

Abwechselnd rot und schwarz gedruckt. In der Mitte befindet sich eine Vignette. Auf einem mit Arabesken verzierten und umgebenen Postament kniet ein Affe mit Federhut und Brille mit beiden Vorderhänden eine Mappe mit Zeichnungen, in der Rechten den Zeichenstift haltend; auf der Mappe lesen wir: „mistum utile dulci“. Hier ist das Angenehme mit dem Nützlichen vereint. Vor ihm sitzt ein Ara, hinter ihm ein spöttisch lachender Fuchs und eine ernste Ohreule. Hier ist Ernst und Scherz gemischt“.

Das zweite Blatt enthält denselben Titel in lateinischer und französischer Sprache. Auf dem dritten Blatt finden wir zuerst:

„ Gedanken des vortrefflichen Herrn B. H. Brockes, Ct. Com. Palat. Caes. und Ratsherrn der Stadt Hamburg, über den ersten Versuch dieser Fabeln. “

„ Du gabest, edler Ridinger, bisher in Deinen schönen Werken
Der, durch Gewohnheit, blinden Welt des Schöpfers Ehre zu bemerken,
Die der vollkommne Körperbau der Tiere weisen Augen weisst.
Jetzt, nicht einmal damit zufrieden, gebrauchet Dein erhab’ner Geist
Noch ferner diese Creaturen, (die zeigen ihres Schöpfers Ehre)
In Deiner Fabeln Bilder-schrifft, den Menschen auch zur Sitten-lehre.
Es stellt in künstlich schwarzen Zügen und Linien ein jedes Thier,
Durch seine wohlgefügte Stellung, selbst eine weise Rede für.
Ich höre Deinen muntern Hahn1 mit offnem Schnabel Weisheit krähen,
Ich kann der Eulen2 hämisch Aug’ und ihre Mörder-tücke sehen,
Ich kann, mit ungeschicktem Taumeln, den plumpen vollgesoffen Bären3,
Bei Deiner Wiesel klugen Lehren,
Im Brummen, Kleinere verachten und Deinen Löwen4 richten hören.
Was werden solche künstliche, lebendige, beseelte Schriften
Vernünftger Bilder, Dir zum Ruhm, und überall für Gutes stiften!
Da nicht nur eine kluge Feder in diesen Fabeln Weisheit lehrt,
Da auch zugleich Dein weiser Griffel die Lehren schmücket und erklährt. “

Auf der anderen Seite folgt eine Vorrede in drei Sprachen, so wie der Titel und die auf zehn Blatt enthaltene Erklärung der zwanzig Fabeln in Prosa ebenfalls in drei Sprachen abgefaßt sind.

Die Vorrede erwähnt die Nutzbarkeit und daher das Altertum der Fabeln, und des Künstlers Vorsatz, durch sie, besonders der Jugend, zu nützen. Sie ist unterzeichnet: Augsburg den 1. Januar 1744.

Zuletzt erhalten wir noch vier Blatt Brockes kurze Andeutungen über die fünfte bis zwanzigste Fabel in  Versen.  Es sind also, wie schon der Text anzeigt, im Ganzen zwanzig Tafeln in fünf Versuchen oder Lieferungen zu je vier Blatt erschienen. Die sechzehn ersten, unstreitig die ausgezeichnetsten, sind eben nicht zu nennen. Sie sind sämtlich von Joh. El. Ridinger im Jahr 1743 und dem folgenden gefertigt. Die vier letzten, weniger wertvollen, aber von Mart. Elias gestochen, machen sich sehr rar, finden sich schon in manchen älteren Ausgaben nicht, und sind in der neuesten ganz weggelassen, was jedoch zu bedauern ist. Unser Künstler hatte sogar die Absicht, die Zahl der Tafeln noch bedeutend zu vermehren, und wir finden unter den Zeichnungen mehrere, nicht unter obigen zwanzig begriffene und die eine davon mit 30 bezeichnet. Auf sie werde ich später zurückkommen. Es ist auch gar nicht zu verwundern, daß es eine sehr lockende Aufgabe für Ridinger war, Fabelbilder zu fertigen, da er hierbei sich in seiner ganzen Größe zeigen konnte. Sie fanden guten Absatz, was auch daraus erhellt, daß sich schon von der früheren Ausgabe zwei verschieden gedruckte Textblätter nebst Titel ohne Vignette finden und, wahrscheinlich im Jahre 1825, erschien bei Martin Engelbrecht und in der Herzbergischen Kunsthandlung eine neue Ausgabe in 16 Kupferblättern mit neuer Unterschrift und mit ganz neuem Text in drei Bogen gr. Fol., der von einer geschickten Feder abgefaßt ist. Ich werde später davon eine Probe liefern, so wie bei der Beschreibung den gehörigen Gebrauch davon machen.

 

Fußnoten:

1) Bezieht sich auf die erste Fabel. – zurück

2) Auf die dritte Fabel. – zurück

3) Auf die vierte Fabel. – zurück

4) Auf die zweite Fabel. – zurück


765.

Fabul: I.

Vorsichtige Klugheit überwindet Arglistigkeit.
Superat calliditatem providentia prudens.
La precaution surmonte la malice.

Bei der neuen Ausgabe Unterschrift nur deutsch:

Trau, schau wem?

Der Kern der Fabel ist, daß ein arglistiger Fuchs durch Mummerei einen Haushahn täuschen und bewegen will, sich ihm zu nahen, um ihn ergreifen und erwürgen zu können. Er wird aber vom vorsichtigen Hahne entdeckt und verspottet.

Wir sehen uns in einen reich besetzten Federviehhof versetzt, in welchem sich Pfaue, Truthühner, astrachansche Gänse, türkische Enten, Tauben und ein Haushahn mit wohlbesetztem Serail befinden, alle in der gewaltigsten Aufregung: denn eben ist der oben auf einer Felsenwand kauernde Reineke, ob er gleich den Kopf mit modischem Strohhut, den Hals mit einem Priesterkrägelchen (Gott verzeih es dem Künstler!), den Körper mit großem Umschlagetuch verhüllt und das Gesicht durch eine große Brille unkenntlich gemacht hat, von dem wachsamen Henning erkannt und das übrige Geflügel vor ihm gewarnt worden; Nicht fern vom Fuchse erblicken wir eine schreiende Elster, welche bekanntlich durch ihr Schäckern dem Jäger das Dasein eines Fuchses verrät und daher als seine Feindin betrachtet werden muß. Die beiden Erklärer lassen sie aber, als im Dienste des Fuchses, eine ganz entgegengesetzte Rolle spielen und als Heroldin desselben das Federvieh versammeln, um eine Lobrede auf sich, oder, nach dem andern, ein großes Vokalkonzert einer berühmten, reisenden Sängerin mit anzuhören. Letzterer fährt naiv weiter fort: „Der Schauplatz füllte sich mit befiederten Zuhörern. Die Schwimmfüßler und die kalekutischen Hähne blieben auf dem Parterre; Pfauen, des Hühnerhofes Noblesse, nahmen den gesperrten Sitz eines umgekehrten Hühnerkorbes ein, während im Hintergrunde desselben ein bescheidenes (oder verliebtes?) Taubenpärchen sich ansiedelte; der stolze Haushahn aber bestieg mit zahlreicher Sippschaft die Logen.“ Man vergleiche das Bild damit.

766.

Fabul: II.

Allzuhitzige Begierde nimmt aus Unvorsichtigkeit einen übeln Ausgang.

Dasselbe, wie stets, auch lateinisch und französisch. Neue Ausgabe:

Eile mit Weile.

Wieder ein reich besetztes, ausdrucksvolles, sehr gut ausgearbeitetes Blatt. Die Säugetiere haben Gerichtstag. Da sitzt König Löwe unter einem Zeltvorhang mit zierlichem Faltenwurf auf einem Thronsessel, unter sich einen prächtigen Teppich, über welchen sich sein Schweif in der Schönheitslinie herabkrümmt, im Gesicht Ehrfurcht gebietenden Ernst mit teilnehmender Trauer gemischt, in der Vordertatze das Zepter. Zu seiner Rechten der Leopard und der Bär, als Beisitzer und Räte, jetzt mit kläglichen Mienen, zur Linken der Tiger und Luchs, als Gerichtsschöppen, unten der Fuchs, als Aktuar oder Protokollführer, auf steinernem Schreibpult mit Tintenfaß, das große Protokoll vor sich, die Schreibfeder hinter den Ohren, die Brille auf der Nase, aber wieder mit Überschlägelchen versehen. Ei! ei! – Er kann die höhnische Freude über das traurige Schicksal seines Feindes nicht unterdrücken. Denn ihm gegenüber sitzt der Wolf, den linken Vorderfuß in ein Fuchseisen eingeklemmt, und vor Schmerz furchtbar heulend, als Kläger. Er beschuldigt nämlich ein Häschen, welches ganz schüchtern vor ihm sitzt, daß es ihn ins Unglück gebracht habe. Doch, da dieses mit überwiegenden Gründen seine völlige Unschuld beweist, und überzeugend dartut, wie ihn nur seine blinde Mordlust ins Verderben gestürzt habe; so wird es einstimmig freigesprochen und der mutwillige Prozeßkrämer in die Kosten mit der belehrenden Warnung verurteilt: „Daß blinde Habsucht dem Habsüchtigen stets zum Verderben gereiche.“

767.

Fabul: III.

Ein verstellter Freund ist schaedlicher als ein offenbarer Feind.

Neue Ausgabe:

Ein wahrer Freund wird in der Noth erkannt.

Eine wilde Fels- und Waldpartie von der Vollmondscheibe erleuchtet.

Auf einem querliegenden, alten Baumstamm sitzt ein Uhu mit weit ausgebreiteten Flügeln, in seinen krallen ein sich jämmerlich windendes Rebhuhn. Dies arme, flügellahm geschossene Tierchen suchte sich vor zwei ihm nachstellenden Füchsen dadurch zu retten, daß es sich unter den Schutz der Eule begab, welche durch erheuchelte Freundschaft dasselbe sicher gemacht hatte. Von den beiden Füchsen liegt der eine bellend an dem Stamme, auf ihm erhebt sich der zweite, um auf den Stamm zu klettern. Unter demselben wiegt sich gaukelnder Stellung ein Kater und sucht das Rebhuhn zu erhaschen. Dieses aber unter den Krallen des verstellten Freundes blutend und den baldigen Tod vor Augen sehend klagt: „ Ach, wie ist ein falscher Freund doch weit gefährlicher, als ein offenbarer Feind!“

768.

Fabul: IV.

Schaendliche Trunckenheit entdecket die Thorheit des Gemüthes.

Neue Ausgabe:

Trunkenheit führt zur Thorheit.

Die vierfüßigen, behaarten Bewohner eines ansehnlichen Laubwaldes wurden von einem ehrbaren Eichhornpärchen zur Feier ihres lustigen Beilagers geladen. Zahlreich stellten sich die Gäste ein, ließen sich die vorgesetzten Leckerbissen trefflich munden und tranken tapfer die immer sich von Neuem füllenden Becher leer. Das bißchen Verstand war bald niedergetrunken, gerade wie bei dem nahen Verwandten, der zwei Hände und zwei Fußsohlen hat, und auf unserm reichen, köstlich ausgeführten Blatte erblicken wir die Folgen davon. Ganz oben sehen wir in einem großen Zelte die von den Gästen leer gemachte Tafel, auf ihr das neue Pärchen. Davor liegt auf dem Rücken der auf dem Platze gebliebene Hirsch, auf dem Bauche das total besoffene Schwein, dazwischen der krötenbreit hingestreckte Luchs in ähnlichem Zustande. Im Vordergrunde ein glänzender Aufzug mit Musik. Voran ein Affe auf dem umgehangenen Hackbrett klimpernd, sich mit seinem Federhäubchen in Tanzpas vorwärts bewegend, so gut es gehen will. Hinter ihm kauert ein anderer und versucht sein Heil mit großer Anstrengung auf einem Alpenhorn. Dabei eine Ratte im zierlichsten Laufe. Die Hauptperson, ein tüchtig angetrunkener Bär, in der Rolle des verliebten Schäfers, den schweren Kopf mit schmuckem, keck schief gestelltem Schäferhute, auf dem die schönsten Federn wallen, bedeckt, in der Rechten den graziös auf der Schulter ruhenden Hirtenstab, von der Schulter herab bis zum Hinterleibe ein breiter Shawl, der uns sein: „Honny soit etc.“ mit kreischender Stimme zuruft; die plumpe Tatze zum Tanze aufhebend, so weit es unter solchen Umständen möglich und rätlich ist. Hinter ihm der Wolf mit gläsernen Augen, und weit aufgesperrtem Rachen bei seiner Schleifkanne verbleibend, die er vom Gastmahl erbeutet hat. Nun folgen im Bacchantenzuge der aufgerichtete Lampe, den der Becher seiner Schüchternheit entkleidet hat; der Iltis mit gespreizten Vorderfüßen; der Kater, als Bajazzo im Begriff einen Purzelbaum zu machen, der spottende Fuchs, Dachs und Gems, dem Vortänzer nachtanzend. Dabei die Schlange, als Mephisto, aufgerichtet, über gelungene Verführung sich höhnisch freuend. Ein Wiesel aber, das nicht zum Mahle geladen, daher nüchtern war, entgegnete dem Bär auf die Frage: „Bin ich nicht sehr viel größer, denn Du?“ „Allerdings an Körper, wie an Torheit.“

769.

Fabul: V.

Missvergnügen über seinen Stand hilft nichts zur Zufridenheit.

Neue Ausgabe:

Schuster bleib bei deinem Leisten.

So verschieden diese Unterschriften scheinen, so haben doch beide Erklärer ziemlich dieselben Ansichten von diesem netten Blatte. Die Sache ist diese: Ein Casuar fühlt sich unglücklich unter den Vögeln, weil ihm die Flugfähigkeit versagt ist, und bewirbt sich eifrig darum, unter die Säugetiere aufgenommen zu werden, zu denen er wegen Mangel an Schwingen, wegen der Haarähnlichkeit seiner Federn u. s. w. eigentlich auch von der Natur gewiesen sei. Da er besonders auch sich seiner Schnelligkeit im Laufen rühmte, so forderte man ihn auf, eine Probe davon vor versammeltem Ausschuß der Säugetiere abzulegen. Zur Prüfung dieses Kandidaten erschienen, wie unsere Tafel zeigt, der König Löw’, der Wisent, Luchs, Dachs (oder Nasentier?), Tiger, Panther, graue Pavian u. s. w. Der neuere Erklärer bezeichnet sie als Oberforstmeister. Hofastronom, Bergrat, Feldherr, Zeremonienmeister u. s. w. und wir sehen den Casuar im angestrengtesten Lauf. Der Bär vereitelte sein Bemühen durch die Erklärung: „Was will dieser Luftspringer. der nur zwei, und zwar recht magere Beine bat, bei uns!“ Alle anderen Säugetiere stimmten ihm lachend bei, der Supplikant ward abgewiesen und eine kluge Elster schäckerte ihm zu: „Ach, Bruder, bleibe was Du bist, und stürze Dich nicht durch Unzufriedenheit mit Deinem Stande in Unglück!“

770.

Fabul: VI.

Eigen-Sinn im Heurathen würckt bittere Reue.

Neue Ausgabe:

Vorschnell gefreit, hat Manchen gereut.

Eine Elster hatte ein einziges, verzogenes, eigenwilliges, putzsüchtiges Töchterchen. Da es nun heiratsfähig ward, empfahl ihm die zärtliche Mutter mehrere anständige Freier. „Nimm,“ sprach sie, „den bespornten Ritter, den schöngeputzten Haushahn. Er ist von altem Adel, seine Altvordern sollen schon zu Petri Zeiten gelebt haben.“ „Den mag ich nicht,“ erwiderte das schnippische Fräulein, „der ist mir zu händelsüchtig und verliebt.“ „Nun, so wähle den zärtlichen Tauber, mit dem glänzenden Halsschmuck, mit der sanften Miene.“ „Der girrt den ganzen Tag à la Werther. Der wäre mir der rechte.“ „Nun, so wähle den kühnen, kraftvollen Edelfalken.“ „Mamachen, lassen Sie mich ganz in Ruhe, ich werde mir selbst einen Gemahl nach meinem Geschmack aussuchen.“ Und die unglückliche Wahl fiel auf einen Uhu. Alle Warnungen halfen nichts, wir sehen sie mit ihm zusammengekoppelt, aber ach, wie elend! Wie konnte sie, ein Tagvogel, mit diesem unermüdeten, griesgrämlichen Nachtschwärmer, glücklich leben? Da überhäufte sie der jähzornige Hahn, der das erhaltene Körbchen nicht verschmerzen konnte, mit bitteren Vorwürfen. Der dabei sitzende Falke und der Tauber dachten sich das Beste.

771.

Fabul: VII.

Die Rache eines niedrigen an einem maechtigern ist schaedlich.

Neue Ausgabe:

Ohnmaechtiger Grimm bereitet sich selbst den Untergang.

Darauf lassen wir als Probe folgende Erzählung folgen:

„Der Elefant, dieser Koloß der Tierschöpfung, wollte den Menschen nachahmen und durch das Bereisen entfernter Länder und Weltteile seine Kenntnisse und Erfahrungen bereichern. Vorzugsweise richtete er sein Augenmerk auf Europa, den Weltteil, in welchem Künste und Wissenschaften herrlich gedeihen und den die wohltätige Hand der Kultur auf die höchste Stufe des Ruhmes erhoben hat. Bald war eine Gelegenheit, sich einzuschiffen, gefunden und ein günstiger Wind brachte ihn schnell an das Ufer der für ihn neuen Welt, welche er, nach Art der wandernden Genies, zu Fuße durchkreuzen wollte. Sein Weg führte ihn durch das beinahe undurchdringliche Dickicht eines Waldes, durch dessen Gebüsch-Labyrinthe sich aber sein Rüssel schnell Bahn brach. Das Rauschen der Blätter, das Geräusch, welches das Umknicken der Zweige verursachte, lockte ein naseweises Füchschen herbei, um den Urheber der Störung der friedlichen Waldstille zu erspähen. Mit Staunen gewahrte er dieses wandernde Fleischgerüste; unbesonnen wagte er sich in seine Nähe und brachte, während er an ihm hinaufgaffend das, was neben ihm vorging, übersah, seinen armen Schweif unter die Knochen- und Muskelsäule eines Elefanten-Fußes, und auf einen Tritt trennte sich diese bekannte Zierde des Fuchsgeschlechtes vom Körper. Ein durchdringender Schrei folgte dieser gewaltsamen Verstümmlung und von allen Seiten strömten die Namens-Verwandten ihres so grausam englisirten Mitbruders herbei. Nachdem sie ihm einstimmig zu dem empfindlichen Verluste kondoliert und ihn damit etwas getröstet hatten, daß sich jetzt mehrere Füchse à la Titus trügen; so schworen sie einmütig, an dem Frevler blutige Rache zu nehmen, und begannen sofort den eben so unbesonnenen, als ungestümen Angriff. Der edle Ausländer, der sich nach Art großer Geister wenig um das bekümmerte, was hinter und neben ihm vorging, sah sich auf einmal von einer ganzen Compagnie zornerfüllter Füchse umzingelt und ohne einen Augenblick die Fassung zu verlieren, drückte er die vorlautesten mit dem Rüssel dergestalt zusammen, daß ihr Heldenfeuer mit dem Atem zugleich erlosch, die andern aber hauchten ihre Begeisterung unter der lebendigen Stoßmühle seiner Tritte aus. Schnell, wie der Angriff, war auch die Niederlage und bald die Armee pulverisirt. Ein alter Fuchs, der hinter der Fronte kommandierte, rief dem den Wahlplatz behauptenden Helden zu: „Tyrann! schämst Du Dich nicht, in dem Blute der unsrigen zu waten?“ „Nicht im Mindesten,“ erwiderte der Sieger, „eben so verächtlich als verderblich ist blinde Rachsucht, welcher nicht angemessene Kräfte zu Gebote stehen.“

772.

Fabul: VIII.

Andere verachtender Stoltz wird selbst zu schanden.

Neue Ausgabe:

Hochmuth kommt vor dem Fall.

Ein Pfau, stolz auf sein Gefieder, verachtet und verspottet einen schönen Regenbogen wegen seiner Vergänglichkeit. Ein um ihn versammeltes Vogelheer, darunter ein Ara, Häher, Seidenschwanz, Buntspecht, fangen schon an, ihm beizupflichten, als ein im Gebüsch lauernder Marder den Pfau im Nacken packt, das stolze Blut ihm aussaugt und dem Leben und dem Hochmut des Prahlers schnell ein Ende macht.

773.

Fabul: IX.

Das Alter ohne Verstand wird durch Kindisches bezeugen veraechtlich.

Neue Ausgabe:

Der Bart macht nicht den Mann.

Ein ziemlich bejahrter Ziegenbock bildet sich auf seinen, allerdings sehr großen, Bart nicht wenig ein, und weil ihm der selbe ein ehrwürdiges Ansehen gibt, lassen sich die unvernünftigen Tiere, welche nur auf das Äußere zu sehen und darnach Andere zu beurteilen pflegen, dadurch täuschen und wählen ihn zum Abgeordneten bei der Kammer. Der über diese Auszeichnung vor Freude trunkene Tor vergißt sich so, daß er durch sein mutwilliges Gemecker, und seine steifen Bocksprünge, teils Gelächter, teils Unwillen erregt. Dies stellt der Künstler trefflich dar. Der Dachs wälzt sich vor Lachen, der Hirsch, das Pferd, der Fuchs lachen höhnisch, der Tiger, die gestreifte Hyäne und der Luchs bemerken ernst die Torheit ihrer Wahl und nehmen sie zurück. Der Affe aber weist mit den Fingern nach ihm, und die Hand vor das Auge haltend, gleich als blendeten ihn die Weisheitsstrahlen des Exgesandten, ruft er ihm spöttisch zu:

„ Da sehen Ew. Magnifizenz,
Der Bart so wenig, als das Gewand,
Bescheeret uns Weisheit, verleiht uns Verstand.
Wer kindisch im Alter den Gecken noch macht,
Der erndtet Verachtung und wird gar verlacht. “

774.

Fabul: X.

In schwere Koerper einen aufgeweckten Geist zu bringen ist unmoeg1ich.

Neue Ausgabe:

Den Mangel natürlicher Anlagen ersetzt kein künstlicher Stellvertreter.

Strauß und Casuar wollen durch Kunst erzwingen, was ihnen die Natur versagt hat, nämlich die Flugfertigkeit. Einige Adler, welche sie als die geübtesten Segler der Lüfte dabei zu Rate ziehen, geben ihnen die stattlichen Fittiche eines eben abgeschiedenen Verwandten. Die Fluglustigen schnallen sich dieselben an, doch natürlich ohne Erfolg. Der Casuar liegt jämmerlich über mißlungenen Versuch klagend, platt auf dem Erdboden und der Strauß breitet zwar in possierlicher Stellung seine eigenen und die fremden Flügel so weit, als möglich, aus, aber vergeblich versucht er die edle Luftschwimmkunst zu üben, wie sein Vorbild, ein über ihm schwebender Adler tut. Er bleibt schwerfällig auf der Erde, am Boden, wie alle Dümmlinge, denen die, Natur Gewandtheit und Schwungkraft versagte.

775.

Fabul: XI.

Großer Pracht verdeckt offt die schwerste Dienstbarkeit.

Neue Ausgabe:

Glaenzende Auszeichnungen sind oft nur vergoldete Sclavenketten.

Ein um auszuruhen auf die Erde gelagerter Falkonier hat seinen, mit zierlicher Haube und Federbusch geschmückten, Falken im Wilde an einen Baumast gebunden. Da versammelte sich ein ganzes Heer neugieriger Waldvögel um den schön geputzten Fremdling zu bewundern, zu beneiden. Hier sehen wir den Auer- und Birkhahn, den Häher, Grünspecht, die Hohltaube, Waldschnepfe, den Pirol, Gimpel u. m. a. Da erklärt der verständige Falke, wie er um solchen Schmuck seine Freiheit verkauft habe, und er nichts Anderes als eine glänzende Sklavenkette sei.

776.

Fabul: XII.

Tückische Schmeichelei wird endlich entdeckt und zu schanden.

Neue Ausgabe:

Der Krug geht so lang zum Wasser bis er bricht.

Der Schauplatz ist die Stube eines reichen Müßiggängers, in welcher sich auf einem dreifüßigen zierlichen Gestell ein großer Vogelbauer und darin ein langschwänziger Papagei befindet. Auf ihn hat sich ein tückischer Kater gestürzt, die Mordgier in den Blicken und sucht den geputzten Liebling des Hausherrn durch Schmeichelworte aus dem Käfig zu locken, damit er ihn ermorden und schmausen könne. Auf dem Tische daneben sitzt ein Affe, mit Federhut geschmückt, welcher mit drohender Miene und bedeutsam erhobener Rechten dem Kater seine Bosheit und seinen Undank gegen den Hausherrn, ihren gemeinschaftlichen Wohltäter, vorrückt. Er wird darin von zwei treuen Hunden unterstützt, davon der kleinere auf einem Stuhl sitzt, der andere, aufgescheucht durch das Angstgeschrei des Papageis, unter dem prächtigen Tischteppich hervorsieht und den Kater verscheucht. Der Hausherr erfährt das Geschehene und der mordlustige Kater büßt seinen Frevel mit dem Tode.

777.

Fabul: XIII.

Pracht und Herrlichkeit macht niemand gescheider.

Neue Ausgabe:

Im Gefolge der hoehern Würden ist nicht immer ein erleuchteter Verstand.

Eine zahlreiche Versammlung von Säugetieren ist entschlossen, einen Affen zu krönen, der sich auf den Königsthron geschwungen, mit goldner Kette und prächtigen Decken geschmückt und dadurch ein ehrwürdiges Ansehen zu geben gewußt hat. Aber der listige Fuchs vereitelt das törichte Unternehmen, indem er den Kater beauftragt, einen zierlichen Korb, mit den lockendsten Früchten gefüllt, herbeizuholen und an die Stufen des Thrones zu tragen. Sobald der lüsterne Affe die Trauben und Pfirsiche erblickt, fällt er aus seiner Rolle, stürzt sich gierig auf die Leckerbissen herab und macht sich Allen höchst lächerlich. Das ist die Szene, welche unser Künstler nach seiner bekannten Virtuosität darstellt. Jedes Tier drückt sein Erstaunen, seinen Verdruß oder hämischen Spott nach seiner Weise aus. Wer kann, ohne zu lächeln, das Eichhörnchen, den Kater, den Ziegenbock und besonders den Fuchs betrachten, welcher die Insignien hält? Ein sehr gelungenes Blatt.

778.

Fabul: XIV.

Den Kindern zu frühe sein Vermoegen entdecken, verderbt Eltern und Kinder.

Neue Ausgabe:

Nur thoerichte Eltern lassen ihre Kinder wissen, daß sie reich sind.

Das Eichhornpärchen, dessen Hochzeit wir nach der vierten Fabel feiern sehen, hatte ein einziges Söhnchen, welches in die Jünglingsjahre getreten war. Die besorgten Eltern hatten einen erklecklichen Vorrat von Nüssen gesammelt, aber denselben weise in einer hohlen Eiche verborgen, so daß auch ihr Söhnchen davon nichts wußte. Die allzuzärtliche Mutter aber steckte dem ziemlich lockern Früchtchen ihrer Ehe oft verstohlen einige Nüsse zu, ob es gleich im Freien noch nicht an anderen Nahrungsmitteln mangelte. Das neugierige Söhnchen, ein leichtsinniger Spring ins Feld, begehrte die Vorratskammer zu erfahren und das schwache Mutterherz machte ihn nur zu bald mit derselben bekannt. Da lud es ein ganzes Heer genußsüchtiger Bekannte und ehe der. Winter mit seinem Mangel hereinbrach, war der schöne Vorrat vergeudet und die Familie dem Mangel und den Elend preis gegeben. Das Bild versetzt uns in zwei Zeitabschnitte: im Hintergrunde die unsinnige Vergeudung des elterlichen Reichtums; vorn aber sitzt die tiefbekümmerte Mutter, da sie durch das diebische Verprassen des Sohnes nebst ihrem Gatten in tiefe Not geraten ist. „Warum,“ so klagt sie, „bin ich bei meiner großen Liebe für mein Kind so übel angekommen?“ „Weil sie blind und töricht war,“ antwortet ein daneben stehender Taubenhabicht.

779.

Fabul: XV.

Auch kleine und geringe haben etwas, warum sie von den Großen und Maechtigen nicht zu verachten sind.

Neue Ausgabe:

Verachte nicht den Geringen, dem die Natur oft Vorzüge einraeumt, welche sie dem Maechtigen versagt.

Wir sehen uns hier in die heiße Zone versetzt, denn wir erblicken Elefanten, Nilpferd, Kamel, Löwen, Tiger und Affen, freilich auch den Wisent und Elenhirsch. Aller Augen und Gebärden sind auf eine über ihnen schwebende Schnepfe gerichtet. Warum dies Alles? Die Magnaten hatten sich alt dem Hoflager des Löwen versammelt, um die sehr beliebte unumschränkte Gewalt des Stärkeren gegen den Schwächeren in ein festes System zu bringen. Eine Waldschnepfe, welche diese Beratung belauscht hatte, bat um Aufnahme in diesen vortrefflichen Verein, da sie doch auch Vorzüge besitze, indem bei großen Schmausereien der Menschen dasjenige von ihr, was die feine Lebensart ohne ein „mit Respekt zu melden“ nicht einmal zu nennen erlaube, mit größtem Wohlbehagen verspeist werde. Über dies Begehren ergrimmten die gewaltigen Säugetiere. „Wie kann,“ sprach der stolze Tiger, „ein so niederes, geringes, schwaches Geschöpf es wagen, mit uns sieh nur einigermaßen zu messen?“ Da schwang sich die Schnepfe über sie alle, und forderte sie auf, ihr nachzufliegen. Da streben sie alle in Wut ihr nach, wie wir besonders am Tiger, Affen, Elefanten, Wisent und Elen bemerken. Vergebens; die flüchtige Schnepfe ruft triumphierend ihnen zu: „Hochweise und Hochmögende, bedenkt, daß ihr nicht Alles könnt! Die Natur verteilte mit großer Weisheit ihre Gaben. Wollet ja nicht den Niederen und Geringeren verachten und unterdrücken, der Vorzüge besitzt, die Euch bei aller eingebildeten Vollkommenheit mangeln.“

780.

Fabul: XVI.

Nichts ist thöhrichter, als der in seiner Quelle angesehene Neid.

Neue Ausgabe:

Der Neidische verbittert sich sein Leben ohne etwas dadurch zu gewinnen.

In einem wilden Forste befand sich ein Bär, nicht weit davon lebte in einem Weiher ein Schwan. Beide betrachteten sich mit neidischen Blicken. So oft der Schwan ans Land trat, brummte der Bär, und jener zischte mißmutig, wenn der Bär ins Wasser sich abkühlen oder trinken wollte. Da die Erbitterung immer höher stieg, so sollte, nach Art mancher Herren der Schöpfung, ein Zweikampf entscheiden. Aber es erhob sich unter diesen kampflustigen Tieren ein neuer Streit über den Kampfplatz. Da konnte eine dabei sitzende friedliebende, sanfte Taube nicht länger an sich halten: „Ihr Toren, warum verbittert ihr euch durch Mißgunst das Leben; warum beneidet ihr euch? Bleibe doch jeder in dem ihm angewiesenen Elemente und sei mit seiner Lage zufrieden!“

 

Wir kommen nun zum fünften Versuch, wie es Brockes nennt, oder zu den letzten vier Fabelbildern. Sie sind zwar auch von J. El. Ridinger erfunden und gezeichnet, aber erst nach seinem Tode von M. El. Ridinger gestochen und haben weniger Kunstwert, sind aber dennoch schätzbar und ihre Seltenheit zu bedauern. Auch mir fehlen noch die nächst folgenden.

781.

Fabul: XVII.

Die Unschuld wird oft durch der Boesen Hass gerettet.

Der alte Erklärer erzählt die Sache so:

„ Ein Fuchs hatte mehrmals vergeblich eine weidende Herde wilder Gänse zu überraschen versucht. Sie hielten Wache und entdeckten die Gefahr, da es noch Zeit zur Flucht war. Da sann er auf eine List, er streckte alle Glieder von sich, als ob er tot sei. Schon eilten die Gänse freudig herbei, schon wollte Reineke seinen Sprung nach ihnen tun, als eine Eule, eingedenk, daß ihr der Fuchs einst ein Rebhuhn vor dem Schnabel weggeschnappt hatte, von Rachsucht getrieben die Gänse vor dem verstellten Toten warnte und seine List vereitelte. “

Auf einem mittelalterigen, viereckigen Turm sitzt eine Eule, die sich herabbückt, um mit den darunter befindlichen Gänsen einige Worte zu wechseln. Ganz vorn liegt Mosje Reineke, den Toten spielend, über ihm fliegen zwei Gänse, die unterste eine Bläßgans (Anas albifrons), auf der Seite noch vier Stück in verschiedener Stellung.

782.

Fabul: XVIII.

Die aus Liebe zur Pracht ergriffene Dienstbarkeit soll man gedultig leiden.

Wir erblicken hier einen edlen Hirsch als schön geziertes, prächtig herausgeputztes Saumroß, von einem strengen Führer geleitet, sehr schwer bepackt, demütig einhergehen. Sähen wir nicht sein stolzes Geweih und die gespaltenen Hufe, wir würden ihn für einen niederen Maulesel halten. Da redet ein kluger Dachs mit weit vorgestrecktem Kopfe und weit aufgesperrtem Maule das in seiner Pracht so tief gebeugte und arg geplagte Tier an: „Freund, wie kamst Du zu dem Allen?“ „Ich hab’ es selbst getan, die Schuld fällt auf mich,“ sprach der Hirsch. „So leide mit Geduld,“ erwiderte der Höhlenbewohner.

783.

Fabul: XIX.

Törichte Einbildung auf fremde Schönheiten verdient vernünftiger Leute Verachtung.

Der Erklärer läßt sich also vernehmen:

„ Ein Papagei, Affe und Äthiopischer Esel machten in Gesellschaft eine Reise in ein Land, wo man ausländische Dinge nicht nur hoch hielt, sondern auch für weit vortrefflicher ansah, als die einheimischen (das soll doch nicht etwa ein Sticht auf unser ganz selbständiges und von fremder Mode und Sitte ganz unabhängiges Deutschland sein? Th.). Sie kamen daselbst an und einer strich des andern Herrlichkeit hieraus. Der Papagei lobte den Esel wegen seiner Seltenheit; der Affe des Papageien schöne Federn; der Esel des Affen lustige Possen. Das taten sie einmal vor dem arbeitsamen Pferde, vor einer milchreichen Kuh, vor einem mit reichem Pelz versehenen Schafe und erwarteten nun gebührende Ehrerbietung und willige Anerkennung ihrer Vorzüge. Aber jene blieben in ihrer Ruhe und auf die Frage des Papageien: „Seht ihr nicht, wer wir sind? Könnt ihr unsere Schönheit, Artigkeit und Seltenheit unbewundert lassen?“ erwiderte das edle Roß: „Für euch mögen diese Vorzüge genügen, aber keineswegs für uns, die wir das Bestreben dem Menschen durch Milch und Wolle, durch Fleiß und Anstrengung zu nützen, euren unnützen und törichten Vorzügen weit voranstellen.“ Der Äthiopische Esel ist ein Zebra, hat aber mit Unrecht Anstand und lange Mähne des Pferdes er halten.

784.

Fabul: XX.

Die durch erdichteten Vorwand unterdrückte Unschuld.
Caussam facile invenit deprimendae innocentiae malitia.

Auf ein Felsstück hat sich ein von drei Hunden verfolgtes und geängstigtes Häschen geflüchtet. Als diese nach dem Felsen hinauf streben und durch wütendes Bellen das arme Tierchen in Furcht und Schrecken versetzen, stößt ein Falke auf ihn herab und spricht: „Warte, ich will Dich lehren, die Hunde zu meinem Neste zu führen, damit sie mir die Jungen rauben!“ Wie möchten wir ohne Flügel uns Deinem Horste nahen können?“ antwortete der Hase. „Ja, ja, Du denkst stets auf mein Verderben“, erwiderte er freche Falke; „hast Du mich nicht vor zwei Jahren dem Jäger verraten wollen und meinen Jungen arg geflucht?“ „Da war ich ja noch nicht geboren,“ verteidigte sich die verleumdete Unschuld. „So war es Deine Mutter. 0 dies böse Geschlecht kann ich nicht länger dulden.“ Hierauf ergriff er und zerriß das Häschen, welches sterbend noch schrie: „Ach, wie leicht gelingt es der Bosheit, die Unschuld zu unterdrücken!“ Brockes singt:

„ Genug man schreibt dem Armen an,
Was er sein Tage nicht getan.
Der mächt’gen Vögel freches Rasen
Trifft noch gar oft den schwachen Hasen ! “

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