Thienemann Online

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N. Colorirte Kupfertafeln.

Ridinger, der, als grosser Thiermaler, wohl einsahe, dass bei ihnen die Farben nichts Unwesentliches wären, beabsichtigte in seinen späteren Jahren seinen vielen verdienstlichen Arbeiten die Krone aufzusetzen und noch einige nach der Natur genau und fein colorirte Folgen erscheinen zu lassen. Dazu ersahe er sich zunächst die Pferde, welche bekanntlich in sehr abweichender Färbung Vorkommen. Da es mir nicht gelungen ist, bei den angestrengtesten Bemühungen, worin ich von meinem lieben Freunde, Herrn R. Weigel, treulich unterstützt worden bin, das Werk vollständig zu erhalten, so sehe ich mich genöthigt das zu berichten, was Beckmann in seiner Physikal. Ökonom. Bibliothek Th. 3. p. 154 darüber bekannt macht. „Herr Joh. Elias Ridinger, der sich durch seine vielen, unvergleichlichen Thierstücke unvergesslich gemacht hat, hat noch vor seinem Tode, welcher zu Augsburg den 11. April 1767 zum Nachtheile der Kunst und der Naturgeschichte erfolgte, ein Werk vollendet, welches seine Söhne im Jahre 1770 herausgegeben haben.“

919.

(1). „In einem illuminirten Titelkupfer befinden sich die Worte:

Hier zeigt sich Rapp, Braun, Fuchs, Falch, Schimmel, Scheck und Tiger.

Und jed’s nach seiner Art und mancher Aend’rung wieder.

Verfertiget von Joh. Elias Ridinger seel. Aug. Vind.

Darauf folgen neununddreissig Seiten deutsche und französische Beschreibung, welche in Columnen getheilt ist und also anfängt :

Vorstellung der Pferde nach ihren Hauptfarben und derselben verschiedene Abteilungen, Complexion und der daraus entspringenden Beschaffenheit.

Description du Cheval, selon ses Poils principaux et leur diverses Divisions, sa Complexion et les Qualites, qui en resultent.

Es besteht aus funfzig Kupfertafeln, zu welchen der seel. Ridinger selbst noch die Muster verfertigt, auch die Platten sehr sauber gestochen hat. Es sind auf denselben die Pferde nach ihren Hauptfarben, nach der Natur, in verschiedenen, dem Temperamente der Pferde angemessenen Stellungen ausgedrückt. Wegen des ungemein feinen Colorits haben die Herren Ridinger das ganze Werk auf holländischem Papier, in gr. 4., abdrucken lassen. Auf den drei ersten Blättern sind die Theile des Pferdekörpers, sowohl des schönen, als des mangelhaften, mit Zahlen bezeichnet, um ihre richtigen Benennungen in der beigesetzten deutschen Erklärung, neben welcher eine französische Uebersetzung gedruckt worden, nachschlagen zu können. Liebhaber werden dadurch in den Stand gesetzt, von den Schönheiten des Pferdes genau zu urtheilen. Diesen Blättern folgen die Pferde nach ihren Hauptfarben, als die Braunen, die Rappen, die Schimmel, die Füchse, Falben, Schecken und Tiger.“

So weit Beckmann. Später erschien eine zweite Ausgabe, wo die Tafeln auf vierzig vermindert und auch uncolorirt verkauft wurden. Unter den zehn nicht wieder abgedruckten Blättern befinden sich auch die drei ersten numerirten, was zu bedauern ist. Erschien etwa kein Text zur zweiten Ausgabe? Die vierzig Tafeln derselben kenne ich uncolorirt sämmtlich, von der ersten Auflage sind mir achtundzwanzig, sehr sauber colorirte, Tafeln zu Gesicht gekommen, darunter drei der weggefallenen zehn. Folglich sind mir immer noch sieben völlig unbekannt und würde ich deren Nachweisung dankbarlichst anerkennen.

Sie enthalten, bis auf ein Einziges, nur ein Pferd, sind in Linien eingefasst, 4″ 10‴ br., 6″ 4‴ h. und nicht numerirt. Bezeichnet J. E. Ridinger inv. del. sculpsit et excud. Aug. Vind.; bei einigen ist das del. weggelassen.

920.

(2) Gantz weisser Schimmel. Cheval Blanc.

Wahrscheinlich ein weiss geborner, bei dem die Haare milchweiss und glänzend (daher Atlas- oder Seidenschimmel), welche aber selten sind. Er ist springend mit nettem Zaum dargestellt.

921.

(3) Sand Schimmel. Poil d’Etourneau.

Colorirt habe ich dies Blatt nicht gesehen, daher kenne ich die Farbe nicht. Er steht, den rechten Hinterfuss etwas vorwärts gebogen. Hinten, wie gewöhnlich, Gebüsch.

922.

(4) Eisen Schimmel. Gris de fer.

Im Galopp von einem Hunde verfolgt.

923.

(5) Apfel oder Spiegel Schimmel. Gris Pomelé.

Trabend, schiefergrau, Mähne und Schweif hell, Blässe weiss.

924.

(6) Hecht Schimmel. Gris couleur de brochet.

Liegend, gezäumt, an einem Fuss gefesselt. Verzäunung, Gebüsch. Hinter- und Vorderschenkel, auch Schattirung hell schieferblau, Mähne schwarz, das Uebrige weiss.

925.

(7) Liechter roth Schimmel. Rohan vineux.

Mähne, Schweif schwarz, die hellern Körpertheile bläulich- weiss, ins Lilafarbene spielend, die dunklern licht röthelfarben, ins Fuchsbraune übergehend, um die Knie schwärzlich. Nach uns zuschreitend.

926.

(8) Roth Schimmel mit weissen Flecken. Rouhan Truité.

Springend, mit dunkeln Extremitäten. Colorirt habe ich ihn nicht gesehen.

927.

(9) Roth Schimmel dunkel gestiefelt. Rouhan Cap de maure.

Die hellern Stellen licht röthlichgrau, Kopf rothbraun; ebenso, nur etwas lichter, die Füsse und die dunklern Stellen am Rücken; Mähne, Schweif, Vorderkopf schwarz. Neben Verzäunung schreitend.

928.

(10) Isabell. Isabelle commun.

Ein schönes Pferd, von uns wegschreitend, lange weisse Mähne und Schweif, die Füsse in der Mitte schwärzlich, sonst Alles schön chamois.

929.

(11) Semmel oder Stroh Falch. Cheval jaunâtre de couleur de paille.

Vorderkopf, Mähne, Schweif, unterer Theil der Füsse weiss, das Uebrige hellocher, röthlich semmelfarben schattirt. Schön. Schreitet gezäumt.

930.

(12) Gold Falch. Isabelle d’Oré.

Den Kopf nach uns gewendet, kräftig ausschreitend, kein Hintergrund. Mähne und Schweif schwarz, die Füsse vom Knie an dunkelbraun, Kopf braunroth, das Andere prächtig goldbraun, ins Goldgelbe übergehend.

931.

(13) Silber Falch mit dunklen Haren. Isabelle argenté.

Ueber einen Verschlag schreitend. Hellgelblich, hellschieferbläulich schattirt, Mähne, Schweif schwarz, Untertheil der Füsse schwärzlich.

932.

(14) Maus Falch. Souris.

Mit erhobenem Kopfe, trabend neben einem Gebäude, hinten Pappelallee.

933.

(15) Dunkel geapfelter Falch. Isabelle foncé et Pomelé.

Im Galopp, hinter ihm dicker Baum.

934.

(16) Dunkel Falch. Louvet.

Ein gemeines Pferd, trabend, mit herunterhängendem Zaum.

935.

(17) Ordinair oder Liecht Fuchs. Alzan clair.

Den Kopf erhebend, bergab, ganz gemächlich, schreitend, schönes Fuchsbraun, Mähne und Schweif weissgelblich.

936.

(18) Brand Fuchs. Alzan brulé.

Etwas dunkler, mehr rothbraun als der vorige, neben Verzäunung stehend, gezäumt.

937.

(19) Schweis Fuchs. Alzan brun.

In die Höhe springend, gezäumt, die Mähne, welche nebst dem Schweif weisslich ist, zierlich geflochten. Uebrigens kirschrothbraun mit einigen weissen Flecken am Hinterbacken.

938.

(20) Kohl Fuchs. Alzan brulé.

Ganz wild hinten ausschmeissend.

939.

(21) Gold Fuchs. Alzan d’Ore.

Wälzt sich, schön hellrostfarben unten, etwas dunkler oben. Mähne und Schweif weisslich.

940.

(22) Zobel Fuchs. Alzan de Zibeline.

Rothbraun gestochen, schön ocher- oder rostbraun. Schreitet an der Hand eines vornehmen Reiters stattlich vorwärts.

941.

(23) Liecht oder Rehe Braun. Bais Clair ou bay lavé.

Bergab nachlässig gehend, Mähne, Schweif schwarz, wie bei allen Braunen. Hellocherbräunlich, hellumbraschattirt, Kopf umbrafarben, Füsse vom Knie an dunkelbraun.

942.

(24) Gold Braun. Bais d’ore.

Langsamer Schritt. Colorirt ist es mir nicht bekannt.

943.

(25) Castanien Braun. Bais Chataein.

Ein muthig steigender Hengst, hellumbra, dunkelbraun, ins Rostbraune ziehend, schattirt.

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944.

(26) Spiegel Braun. Bais ámiroir mirouetté.

Rothbraun gestochen, hellrostbraun gefleckt auf dunklerem Grund. Trabend.

945.

(27) Kirsch braun. Bais Cerise.

Trabend. Hauptfarbe dunkelocher, ins Kirschrothe ziehend. Ein Mann in blauer Jacke führt es.

946.

(28) Weichsel Braun. Bais sanguin.

Schreitet mit niederhängendem Kopf, dunkler, mehr kirschrothbraun, als das vorige.

947.

(29) Schwarz Braun. Bais brun.

Stehend, wiehernd, dunkelbraun, heller geapfelt.

948.

(30) Rappe. Braun mit schwarzen Extremitaeten.

Hier sehen wir zwei Pferde, das hintere ganz schwarz, das vordere ganz hellocher, schwarzbräunlich schattirt. Bei der ersten Ausgabe befindet sich statt der Farben die Unterschrift: Von den Eigenschaften guther und böser Pferde.

949.

(31) Mohrenkopf. Cap de Maure.

Ein schönes Ross in Galopp, dunkelschieferblau, Mähne, Schweif, Kopf und Schattirung schwarz.

950.

(32) Schwarz Brauner Rappe. Noir Bais Brun.

Gezäumt, Stutzschwanz, stehend.

951.

(33) Koth Rappe. Noir ordinaire.

Dunkel grauschwarz, ohne Glanz, stehend.

952.

(34) Kohl Rappe. Noir get.

Stehend, mit geflochtener Mähne.

953.

(35) Falcken Schecke. Pie Auber.

Vor Bäumen stehend, gezäumt.

954.

(36) Hellbrauner Schecke. Pie bais clair.

Gezäumt, im Galopp, lichtröthlichocher, allmählig dunkler braun bis zum Fuchsbraunen.

955.

(37) Fuchs Schecke. Pie Alzan brulé.

Stehend, schön fuchsrothe Flecke, Mähne und Schweif weissbräunlich.

956.

(38) Castanien brauner Schecke. Pie Chastagne.

Galoppirend.

957.

(39) Schwarzbrauner Schecke. Pie brun.

Stehend.

958.

(40) Schwartz Schecke. Pie noir.

Trabend, schönes Pferd.

959.

(41) Tiger mit rothen Flecken. Tigre Alzan.

Gezäumt, schreitend, im Hintergrund ein Dorf.

960.

(42) Tiger mit braunen Flecken. Tigre bais.

Auf der Weide grasend.

961.

(43) Tiger mit schwarzen Flecken. Tigre noir.

Gezäumt, die Mähne geflochten, hinter ihm Bäume und Gebüsch.

962.

(44) Die guthe Gestalt eines Pferdes. La beauté et les Parties exterieures du Cheval.

Ein Herr, zierlich gekleidet, hält eine schöne Isabelle, überall mit Zahlen bezeichnet, welche sich auf den Text beziehen.

963.

(45) Ein Blatt desgleichen, das ich nie gesehen, sowie auch alle folgenden nicht.

964.

(46)

965.

(47)

966.

(48)

967.

(49)

968.

(50)

969.

(51)


Noch besitzt Herr Weigel einige Seltenheiten von Pferden, welche füglich hier eingeschaltet werden können.

970.

Ein Blatt 1′ 2″ br., 1′ h., darauf, so gross der Raum es verstattet, ein prächtiger Rappe, Hengst, muthig springend, den Kopf etwas nach der Seite gewendet, die zierlich geflochtene Mähne, und der Stirnzopf mit rothen Rosetten versehen. Das Pferd ist in geschabter Manier sehr sauber ausgeführt, dass man es für getuscht halten möchte.

971.

(1) Es folgen nun drei prächtig schraffirte Blätter, 7″ 10‴ br., 11″ 9‴ h. Vor dem trefflich ausgeführten Baumschlag zeigen sich die herrlichen Rosse in leichten, aber sicheren Umrissen. Das erste stellt den eben beschriebenen Rappen verkleinert, doch immer noch in ansehnlicher Grösse, dar.

972.

(2) Das andere bringt uns in ähnlicher Weise einen trabenden, ganz frei gehenden Hengst vor die Augen.

973.

(3) Das dritte endlich bildet einen solchen ruhig stehend, aber gezäumt ab. Sollen es Studien für Pferdezeichner oder, was wahrscheinlicher ist, Vorübungen zum vorhergehenden Werke der colorirten Pferde sein, darüber sind wir nicht im Klaren. Jedenfalls sind es höchst interessante Arbeiten unseres Künstlers.

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